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Bücher und Frieden

  • Von Hans-Dieter Schütt
  • Lesedauer: 1 Min.

Rückgabe von Büchern: Ehrensache. Dies ist wohl jedes Menschen frühe Lehre für die private Kultur des Bibliothekenbesuchs; es ist ungeschriebener Ehrenkodex überall, wo man sich, leihweise, aus fremden Bücherregalen bedient.

Ehrenkodex. Keine große Laufbahn war diesem Wort je in der Geschichte vergönnt. Ausgespucktes Wort, wo geraubt wurde. Weggehöhnter Begriff, wo Sieger ihres Amtes der Überlegenheit walteten. Schläge gibt man zurück, nicht Bücher. Die nimmt man wie Weiber. Gebucht!, grinst der Sieger und sackt ein.

Weil das so war, weil das zu Teilen der Welt noch so ist, kommt diesem Akt Bedeutung zu: Die Serbische Nationalbibliothek bekommt 796 Bände zurück, die von den Nazis während ihres Jugoslawien-Gierzuges geraubt worden waren. Bücher des Belgrader jüdischen Verlages von Géza Kon, der verschollen blieb. Die Bücher waren 1941 geraubt worden, einige waren irgendwann nach Leipzig gekommen – auf der dortigen Buchmesse wurden sie nun zurückgegeben. Das Gastland Serbien auf Leipzigs Messe, und der Gastgeber in diesem Falle wirklich als – Geber. Dies Geben aber wie ein: sich dem Frieden ergeben, der stets nachwachsen muss, um einer zu sein, zu bleiben. Das ist mehr als eine Bücherweisheit.

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