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Am Tisch duftet es nach Porree, Sellerie und Steckrüben. Karotten sind auch dabei. Das Fleisch von zwei Hühnern schwimmt fein zerteilt im großen Topf. Heute ist Suppentag bei der Bremer Familie Haupt-Langhans.
Fast jeden Abend isst Familie Haupt-Langhans gemeinsam.
Fast jeden Abend isst Familie Haupt-Langhans gemeinsam.

Fast jeden Abend versammeln sich hier Kinder und Eltern an einer langen Tafel zum gemeinsamen Schmaus. Das ist für die sechsköpfige Familie so etwas wie heilige Zeit. »Das Essen ist die Keimzelle der Familie«, ist Vater Uwe überzeugt. Und Mutter Carmen philosophiert: »Zusammen essen, das ist schon seit dem Lagerfeuer in der Steinzeit-Höhle wichtig.«

Doch das Familienessen wird zum Auslaufmodell. Stress im Alltag oder auch Gleichgültigkeit lassen vielfach keinen gemeinsamen Essspaß aufkommen. Immer mehr Deutsche kehren nach einer aktuellen Studie des Allensbach-Institutes mal kurz unterwegs ein, essen im Fastfood-Restaurant oder wie die Kölner »Tatort«-Kommissare Ballauf und Schenk am Imbiss.

Die Marktforscher sprechen in ihrer jüngsten Untersuchung für den Nestlé-Konzern folgerichtig von »Mobile Eatern«, mobilen Essern. Andererseits wünschen sich zwei Drittel von etwa 4000 Befragten Ruhe und Zeit für die Mahlzeit.

»Die Berufstätigkeit der Eltern gepaart mit unregelmäßigen Tagesabläufen fördert in den Familien das mobile Essen«, erläutert Ernährungsberaterin Wiebke von Atens-Kahlenberg. Gleichzeitig betont die Expertin vom Bremer Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin die Bedeutung der gemeinsamen Mahlzeiten. »Das ist weit mehr, als den Hunger zu stillen. Es geht um Kommunikation: Kinder lernen am Tisch soziales Verhalten und bekommen ein Gefühl von Fürsorge und Geborgenheit.«

Trotz Slow-Food-Bewegung und glänzenden Einschaltquoten bei Koch-Shows – die Esskultur steckt in der Krise, bestätigt Promi-Köchin Sarah Wiener. »Es gibt eine große Gruppe, die nicht einmal weiß, wie man Kartoffeln kocht. Und diese Leute haben zum Teil auch gar keine Pfannen und Töpfe, nur noch eine Mikrowelle.«

Bei Familie Haupt-Langhans ist die Küche täglich warm – und das, obwohl die Eltern beide voll berufstätig sind. Ein Spickzettel listet Lieblingsgerichte auf, darunter Senfeier, gefüllter Blumenkohl, Tomatensuppe »à la Uwe« und Carmens weltbeste Gemüsesuppe.

»Wir stehen für ein gemeinsames Frühstück sogar eher auf«, sagt Uwe Langhans – und ist damit wohl eher in der Minderheit. Denn morgens wächst die Zahl der Berufstätigen, die ihren Coffee-to-go auf der Straße, in der Straßenbahn oder am Steuer schlürfen. »Undenkbar für uns«, meint Carmen Haupt, die jedes Kind weckt, damit das Frühstück pünktlich starten kann.

In den USA wurde bereits vor zehn Jahren der »Family Day« ins Leben gerufen, um gegenzusteuern, »a day to eat dinner with your children«. Im Internet stehen sieben Regeln, damit der Projekttag gelingt und nicht in Zank und Streit endet. Wer das Gespräch bei Tisch verlernt hat, kann sich Anregungen holen, worüber er mit seinen Kinder sprechen kann. Zum Beispiel: Wenn du in der Lotterie gewinnen würdest, was würdest du mit dem Geld machen? Oder: Was würdest du essen, wenn es bis zu deinem Lebensende nur noch ein Gericht gäbe?

Für Genuss in Gemeinschaft spricht auch aus medizinisch-präventiver Sicht viel. Beraterin Atens-Kahlenberg verweist auf US-amerikanische Studien bei 12- bis 17-Jährigen. Sie zeigen, dass Jugendliche umso weniger Zigaretten rauchen, Alkohol trinken oder zu Drogen greifen, je öfter sie mit Eltern und Geschwistern am Tisch sitzen und essen. Auch Essstörungen und Depressionen sind dann seltener. Wer regelmäßig in der Familie isst, bekommt zudem tendenziell mehr Vitamine und Ballaststoffe und dafür weniger Fett.

»Gemeinsame Mahlzeiten fördern die Gesundheit und geben dem Tag eine Struktur«, sagt Atens-Kahlenberg. »Ausgefallene Mahlzeiten lassen einen Menschen auch seelisch hungern«, warnt sie. Und plädiert dafür, schon Kindern das gemeinsame Essen als Ritual vorzuleben. Damit Familien darauf Lust haben, rät sie dazu, bei Tisch möglichst keine Probleme zu wälzen.

»Wie wäre es, wenn sich alle einmal wöchentlich zum Genuss-Tag verabreden?«, schlägt die Ernährungsberaterin vor. Einkauf und Zubereitung könnten dann gemeinsam organisiert werden. »Manchmal kocht der große Sohn, dann der Vater, dann wieder die Mutter.« Auch Wahlverwandtschaften sind für Atens-Kahlenberg eine Chance, zusammen auf den Geschmack zu kommen. So könnten sich Nachbarn zusammenschließen oder Senioren für Kinder kochen. »Das sind zwar keine Familien, aber Gemeinschaften. Und das ist schon viel.«

Informationen: www.bips.uni-bremen.de; casafamilyday.org; www.nestle-studie.de

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