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Nationalpark wird zur Hälfte völlig Natur

Ministerin Tack sieht »Klimaverbesserung«, doch Land und Verein weiter im Streit

  • Von Wilfried Neiße
  • Lesedauer: 3 Min.

Der Nationalpark »Unteres Odertal« soll bis 2013 die vorgeschriebenen 50 Prozent Totalreservat beinhalten. Wie Umweltministerin Anita Tack (LINKE) gestern weiter bekannt gab, ist das nur in harter Auseinandersetzung mit dem größten Landbesitzer am Ort, dem »Verein der Freunde des Nationalparks«, möglich. Derzeit sind lediglich knapp über 20 Prozent der Fläche »nutzungsfrei« und damit völlig Natur.

Eingangs sprach die Ministerin davon, dass nach jahrelangem Streit eine »Klimaverbesserung« eingetreten sei und der Nationalpark »gestärkt« werden konnte. Im Folgenden machte sie aber deutlich, dass der traditionelle Streit und die sich jahrzehntelang als nahezu unlösbar erweisenden Konflikte ihre Fortsetzung finden. Neuster Akt des Dramas: Aktuell hat der Verein das Land verklagt, weil es einen Nachweis darüber verlangt, wie er mit den seit 1992 überwiesenen Millionen eigentlich umgegangen ist und wofür er sie eingesetzt hat.

Auch der Vorsitzende der Europarc Deutschland, Karl Friedrich Sinner, – er hatte zuvor eine Gesamtbewertung des Nationalpark-Konzeptes vorgenommen – sprach von großen Sorgen, welche die »Situation vor Ort« bereite. Die Evaluierung habe zwar ergeben, dass sich die Entwicklung auf gutem Wege befinde und die Forderungen der Internationalen Nationalpark-Union Grundlage der Landespolitik auf diesem Gebiet seien. Doch habe der Verein der Freunde »grundsätzlich andere Vorstellungen«. Er betreibe auf seinen 5500 Hektar eine Nutzung, die dem Nationalpark-Gedanken einfach widersprechen würde. »Die Dinge stoßen sich hart im Raum.«

Dies ist vor dem Hintergrund zu sehen, dass das Land sich diesen Gegner erst geschaffen und ihn auch lange mit Geld gemästet hat. Bis zum Jahr 2000 wurden dem Verein 16 Millionen Euro zum Flächenankauf überlassen. Inzwischen wurde vom Land knapp eine Million Euro zurückgefordert, weil der Verdacht besteht, dass die Ausgabe des Geldes nicht der Zuwendungsbedingung entspricht. Auch dieser Fall liegt jetzt bei Gericht. Darüber zu sprechen, wie Flächen zur Verwilderung gegen solche ausgetauscht werden, wo eine Nutzung stattfindet, habe der Verein »glatt abgelehnt«, sagte Sinner. Dabei sollte es durch eine Moderation zu einem Kompromiss kommen. Es sei »verstörend zu erleben, dass der Verein eine gänzlich andere Zielrichtung eingeschlagen hat«. Es handle sich um eine »offene, nicht ganz leichte Baustelle.«

Der Leiter des Nationalparks Dirk Reichelt verwies auf die Möglichkeit der »Flurbereinigung«, d.h. den Flächentausch im Sinne der Nationalparkpolitik. Das Land habe eine gütliche Einigung angestrebt und weitgehende Zugeständnisse angeboten. Doch habe der Verein »abenteuerliche Auffassungen«. Dieses Problem sei »nach wie vor ungelöst«. Er sprach von »Anfeindungen« und »Schlammschlachten«.

»Ich war zu optimistisch«, bekannte Ministerin Tack. Sie teilte darüber hinaus mit, sie plane ein »Nationalparksamt« einzurichten und das Personal dort zu verstärken. Genauere Angaben machte sie aber nicht.

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