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Streiken oder abschaffen?

Migrationsforscherin Yasemin Karakasoglu über die Islamkonferenz / Die Professorin für interkulturelle Bildung an der Universität Bremen mischt sich regelmäßig in die Integrationsdiskussion ein

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ND: Innenminister Hans-Peter Friedrich hat mit seinem Auftreten bei der Islamkonferenz die muslimischen Vertreter erneut brüskiert. Sollten sie das Gremium unter seiner Leitung boykottieren?
Yasemin Karakasoglu: Ich kann die Forderung nachvollziehen. Der Minister polarisiert und hat sehr viel Porzellan zerschlagen.

Wäre die Anbindung beim Kanzleramt besser?
Ich würde es sehr befürworten, wenn die Konferenz an einer neutraleren, übergeordneten Stelle angesiedelt wäre. Denkbar wäre auch die Anbindung an die Kultusministerkonferenz, um das Thema Islamunterricht umzusetzen. Das Innenministerium ist eine unselige Verbindung, denn der Sinn der Islamkonferenz besteht ja nicht allein in der Behandlung von Sicherheitsfragen, sondern in der Aufhebung von kultureller und sozialer Desintegration. Die Integration von Muslimen ist ein Querschnittsthema, das viele unterschiedliche Ressorts betrifft.

Sollte man das Gremium nicht ganz abschaffen, weil es von Anfang an Integrationsprobleme als Konflikt mit einer Religion fehlinterpretiert?
Wenn es ein Ort ist, wo ein Minister meint, sich auf Kosten anderer profilieren zu müssen, dann sehe ich wirklich keinen Bedarf. Aber grundsätzlich finde ich das Gremium sinnvoll, denn es behandelt ein sehr spezifisches Thema, die Gleichberechtigung der Muslime, das anderswo untergehen würde.

Für die muslimischen Vertreter ist der islamische Religionsunterricht zentral. Ist dieser Punkt tatsächlich so wichtig für Integration?
Ja, durchaus. Wenn wir in Deutschland pädagogisch und fachlich ausgebildete Leute haben, die die Kinder in ihrer religiösen Identitätssuche so unterstützen, dass sie zu einem selbstbestimmten Urteil kommen können, dann ist das ein wichtiger Schritt für Integration. Ich persönlich befürworte allerdings ein Konzept, in dem alle Religionen im Unterricht vermittelt werden. Dass alle über alle Bescheid wissen, ist für mich ein wichtiger Integrationsfaktor.

Inwiefern stellt die fehlende Legitimation der muslimischen Verbände und Einzelpersonen das Gremium in Frage?
Ich verstehe die Islamkonferenz als Beratungsgremium und würde den Anspruch der Repräsentanz niedriger hängen. Es ist nicht möglich, repräsentative Vertreter des Islam oder der verschiedenen islamischen Gruppierungen in Deutschland in einem Gremium zu versammeln, das für sich in Anspruch nehmen kann, alle zu vertreten und gemeinsame politische Haltungen zu formulieren. Dafür müssten da 50, 60 Menschen sitzen, aber bei dieser Größe kann man nicht mehr diskutieren. Wir haben eine Pluralität des Islam, die sich in den verschiedenen Persönlichkeiten und Gruppierungen bei der Islamkonferenz durchaus abbildet. Man sollte jedoch die Besetzung immer wieder wechseln, so dass Verschiedene zu Wort kommen können. Bloß, weil jemand in einer Legislaturperiode dabei war, muss er es in der nächsten nicht auch noch sein.

Wie lange wird es dauern, bis das Thema Islam auch für die Union einmal »ausgelutscht« ist?
Das werden wir wohl nicht so schnell erleben. Es wird immer wieder Ereignisse geben, die dazu führen, dass irgendjemand diese Karte spielt. Das ist ein grundsätzliches Problem und gar nicht so fest an eine Partei gebunden, wie man an Thilo Sarrazin gesehen hat. Minderheitengruppen eignen sich immer wieder hervorragend zur Profilierung Einzelner, die offensichtlich keine anderen Felder für sich sehen.

Fragen: Ines Wallrodt

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