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Abschied von der großen alte Dame des Pressewesens

Die »Frankfurter Rundschau« wird bald hauptsächlich in Berlin produziert und damit zum Regionalblatt degradiert

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Die traditionsreiche linksliberale Zeitung »Frankfurter Rundschau« (FR) steht faktisch vor dem Ende ihrer Eigenständigkeit. Künftig sollen die überregionalen Mantelseiten der FR beim Schwesterblatt »Berliner Zeitung« produziert werden.

»Zweite Reihe«, titelt die »Süddeutsche Zeitung«. Wohl wissend, dass nach dem nun angekündigten Kahlschlag die FR ihren Platz bei den großen »Überregionalen« endgültig verlieren wird. Dem Blatt steht ein drastischer Personalabbau bevor. Jeder vierte Redakteur soll seinen Arbeitsplatz verlieren. Aktuell sind es noch rund 180, davon 115 in der Kernredaktion, die anderen sind bereits ausgelagert in nicht Tarif gebundene Gesellschaften. Der Medienkonzern M. DuMont Schauberg (MDS), seit 2006 Mehrheitseigner, will die überregionale Berichterstattung in der Berliner Redaktionsgemeinschaft bündeln. In einer gemeinsamen Redaktion mit der »Berliner Zeitung« sollen in der Hauptstadt die überregionale Politik, Wirtschaft, das Feuilleton und der Sport produziert werden. Nur die Lokalredaktionen sollen in Frankfurt bleiben. Außerdem würden dort alle überregionalen Angebote für die digitalen Auftritte von FR und »Berliner Zeitung« produziert. Als Folge könnte die einst überregional strahlende FR zu einer unbedeutenden Regionalzeitung herabgestuft werden. Die Umbauarbeiten im Konzern gehen damit in eine neue Runde.

MDS, viertgrößter deutscher Zeitungsverlag, seit 2009 auch Mehrheitseigner an der »Berliner Zeitung« und anderen Blättern, sucht weiter nach Synergien. Die »Mitteldeutsche Zeitung« und der »Kölner Stadtanzeiger« werden bereits vom Berliner MDS-Newsroom beliefert. Die regionalen Boulevard-Blätter »Hamburger Morgenpost«, »Kölner Express« und »Berliner Kurier« teilen sich Inhalte. Der Trend im deutschen Zeitungsverlagsgewerbe setzt sich damit fort: Immer weniger Vollredaktionen produzieren für eine gleichbleibende Anzahl von Titeln. Übrig bleiben ausgehöhlte Marken, die ihren Kern verloren haben.

Trotz Relaunch und Umstellung auf das griffige Tabloid-Format 2007 verlor die FR, 1945 als erste Zeitung im amerikanischen Sektor gegründet, in den vergangenen Jahren immer mehr Auflage. Die Zahl der Abos halbierte sich seit den Hochzeiten der 70er und 80er Jahre. Dem einstigen »Zentralorgan« der linkssozialdemokratischen Debatte brachen die IVW-Verkaufszahlen in den letzten beiden Jahren um 16 Prozent ein. Jährliche zweistellige Millionenverluste waren die Folge, allein 24,5 Millionen Euro im Geschäftsbericht 2009. Um das Sparpaket umzusetzen, will die FR-Geschäftsführung eine Klausel im Tarifvertrag kündigen, was den Weg zu betriebsbedingten Kündigungen freimacht. Ver.di versucht dies zu verhindern und will stattdessen über Altersteilzeit verhandeln. Von den Gesellschaftern erwartet ver.di, dass sie ihrer besonderen Verantwortung gerecht werden.

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