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Geldregen für Aktionäre

DAX-Konzerne schütten 25,6 Milliarden an ihre Eigentümer aus

  • Von Hermannus Pfeiffer
  • Lesedauer: 3 Min.

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Nach der Krise ist vor der Krise: Die DAX-Konzerne schütten für das zurückliegende Geschäftsjahr beinahe so hohe Dividenden aus wie bis zum Beginn der Finanzkrise.

Auf die Aktionäre der größten deutschen Aktiengesellschaften wartet im Frühjahr ein Geldregen von über 25 Milliarden Euro, hat die Beratungsgesellschaft Ernst & Young errechnet. Für Aktionäre sind Kurse eigentlich fast alles. Doch auch die Dividende macht manchmal eine Aktie erst lukrativ. So dümpelt der Kurs der Telekom-Aktie seit Langem vor sich hin, doch die Dividende entschädigt für manche Enttäuschung. Die Dividenden der dreißig DAX-Konzerne stiegen 2010 um 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr, als die Unternehmen trotz eingebrochener Gewinne immerhin noch 20 Milliarden Euro ausgeschüttet hatten. Dagegen legten die Umsätze letztes Jahr »nur« um 13 Prozent zu.

Ausgeschüttet, also an die Aktionäre ausgezahlt, werden die Dividenden für 2010 im April und Mai. Das Gesamtvolumen der Ausschüttungen wird mit 25,6 Milliarden Euro auf dem hohen Niveau vor der Finanz- und Wirtschaftskrise liegen: Im Rekordjahr 2007 waren kaum mehr, nämlich 27,2 Milliarden Euro an die Eigentümer derjenigen Unternehmen geflossen, die heute im DAX vertreten sind. 23 der 30 DAX-Unternehmen erhöhen ihre Dividende – zum Teil erheblich. Fünf Unternehmen lassen sie unverändert. Nur ein einziger Dax-Konzern verzichtet in diesem Jahr auf eine Auszahlung: Die teilverstaatlichte und mit Steuermilliarden gestützte Commerzbank zahlt wie schon 2009 keine Dividende.

Spitzenreiter ist die Deutsche Telekom. Der Konzern schüttet zwar als einziger weniger aus, liegt aber mit 3,0 Milliarden Euro in absoluten Zahlen noch immer an der Spitze aller DAX-Konzerne, gefolgt von E.on und Siemens (2,9 und 2,4 Milliarden Euro). Ihre Dividende stabil halten der Hamburger Florena-Hersteller Beiersdorf (0,70 Euro je Aktie), die Deutsche Börse (2,10 Euro) und die Deutsche Bank (0,75 Euro). Was in Cent und Euro eher mickrig erscheint, summiert sich zu einer ordentlichen Rendite. Die durchschnittliche Dividende liegt bei rund 3,5 Prozent, gemessen an den derzeit sehr niedrigen Zinsen eine überdurchschnittlich hohe Verzinsung des Kapitals. Den rasantesten Aufstieg legte ein Autokonzern hin: Nach einer Nullrunde können sich die Aktionäre von Daimler im April auf eine Gesamtausschüttung von 1,9 Milliarden Euro freuen. Die höchste Dividende plant der Rückversicherer Munich Re: 6,25 Euro pro Aktie sollen fließen. Wie bei den anderen Unternehmen muss noch die Hauptversammlung, also das Jahrestreffen der Aktionäre, den Vorschlägen der Vorstände zustimmen. Dies gilt jedoch unter Fachleuten als reine Formalie.

Doch die lukrativen Kupons erfreuen nicht alle Anteilseigner. »Grundsätzlich empfehlen wir Zurückhaltung bei den Dividenden«, sagt Markus Dufner, Geschäftsführer des Dachverbandes der Kritischen Aktionäre. »Statt als Gewinn auszuschütten, sollen die Konzerne lieber investieren.«

So gesehen steht eine erfreuliche Hauptversammlungssaison bevor. Noch schneller als die Dividenden kletterten nämlich die Profite insgesamt nach oben. Die Gewinne (EBIT) der DAX-Konzerne stiegen im abgelaufenen Geschäftsjahr um 66 Prozent auf 96,6 Milliarden Euro. Statt ihre Aktionäre übermäßig zu beglücken investieren Konzernvorstände die Profite lieber, legen sie auf den Finanzmärkten an und schütten Prämien an die Manager in den oberen Etagen aus.

Lexikon

In frühen Phasen des Börsenkapitalismus gab es Wertpapiere in Papierform. Bei Aktien oder Anleihen befanden sich auf dem Bogen Kupons, die den Anspruch auf Dividenden- oder Zinszahlung belegten. Zum jeweiligen Auszahlungstermin konnte der Inhaber des Wertpapiers einen Kupon abtrennen und gegen Bargeld eintauschen. War der letzte Kupon verbraucht, konnte er mit Hilfe des Erneuerungsscheines einen neuen Bogen verlangen. Seit Jahrzehnten gibt es Aktien oder Anleihen in der Regel nicht mehr in Papierform. ND

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