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Der vergessene Skandal

Irak: Sanktionen und Krieg stürzen das Land seit 20 Jahren in eine Bildungskatastrophe

  • Von Karin Leukefeld
  • Lesedauer: 2 Min.
Acht Jahre ist es her, dass die USA und ihre Verbündeten Irak mit einer völkerrechtswidrigen Invasion »Freiheit und Demokratie« bringen wollten, doch dieses Anliegen ist gründlich gescheitert – auch im Bildungssektor.

Als »vergessenen Skandal« bezeichnete der frühere UNO-Koordinator für humanitäre Hilfe in Irak, Hans von Sponeck, jüngst die Lage im Land. Seit den 1990er Jahren sei das irakische Bildungssystem einer geradezu systematischen Zerstörung ausgesetzt, berichtete Sponeck Mitte März auf einem Seminar im belgischen Gent, bei dem die Notwendigkeit »Bildung in Zeiten von Krieg und Besatzung« zu verteidigen im Mittelpunkt stand. Rund 40 Professoren und Akademiker aus Irak, von denen viele heute im Exil leben, erinnerten an die scharfen UN-Sanktionen, die zwischen 1990 und 2003 Irak wissenschaftlich und kulturell isolierten. Die Lieferung von Büchern und Fachzeitschriften, der wissenschaftliche Austausch seien verhindert worden. Sogar die Lieferung von Bleistiften war verboten, weil das Blei der Stifte zum verbotenen Waffenbau hätte benutzt werden können.

Als die ausländischen Truppen 2003 in Irak einmarschierten, machten sie Schulen und Universitäten zu Militärbasen. Im April 2003 erschossen US-Soldaten in Falluja 17 Demonstranten, als diese die Freigabe ihrer Schule forderten, 70 weitere wurden verletzt. Kurz nach der Invasion begann eine gespenstische Einschüchterungs- und Mordserie an Professoren und Lehrern, Wissenschaftlern und Ärzten, die zu Tausenden das Land verließen. 580 Akademiker seien seitdem ermordet worden, sagt Professor Riad al-Dabagh, der frühere Präsident der Al-Mustansiriya Universität in Bagdad. Bis heute wurde in keinem Fall ein Täter gefasst oder bestraft.

Das Beispiel Irak steht nicht allein: Anfang März veröffentlichte die UNESCO den Bericht, wie negativ sich bewaffnete Konflikte und Kriege auf Bildungschancen für Kinder und Jugendliche auswirken. In 35 Staaten herrschen Krieg oder kriegsähnliche Zustände. Rund 28 Millionen Kinder seien von ihrem Recht auf Bildung de facto ausgeschlossen. »Kriegerische Auseinandersetzungen sind ein wesentliches Hinderns für die menschliche Entwicklung«, erklärte Irina Bokova, Generalsekretärin der UNESCO, und kritisierte, dass die Auswirkungen von Kriegen auf die Bildung »allgemein vernachlässigt« würden. »Bildung für alle« bis zum Jahr 2015, wozu sich 160 Staaten auf dem Weltbildungsforum in Dakar im Jahr 2000 verpflichtet hatten, kann so nicht erreicht werden. In der arabischen Welt, wo mehr als 60 Prozent der Bevölkerung jünger als 25 ist, gilt das aktuell für Libyen und Jemen, die von Israel besetzten palästinensischen Gebiete (Ostjerusalem, Westbank und Gaza) und Irak.

Informationen: www.unesco.org; www.brussellstribunal.org

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