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Ringen um Ausbildungsplätze für 2011

Unternehmen wollen mehr Jugendliche ausbilden / Gewerkschaften ist das nicht genug

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Über den Zustand des Ausbildungsmarktes herrscht Streit. Während der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) »glänzende Chancen« für die angehenden Auszubildenden für 2011 sieht, kritisieren Gewerkschaften, tausende Jugendliche blieben ohne Ausbildungsplatz.

Rund 40 000 Ausbildungsplätze wollen die zugehörigen Unternehmen des DIHK in diesem Jahr mehr anbieten. Das ergab die Ausbildungsumfrage 2011, bei der im Februar gut 14 000 ausgewählte Unternehmen befragt wurden. »Erstmals haben wir einen positiven Saldo«, erklärte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben am Montag in Berlin. 22 Prozent der Unternehmen gaben an, dass sie in diesem Jahr mehr Auszubildende einstellen wollen, während 17 Prozent vorhaben, weniger junge Menschen als noch 2010 auszubilden. Der konjunkturelle Aufschwung und ein steigender Fachkräftebedarf seien die Hauptursachen für den Anstieg.

Der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) reicht dieser Zuwachs nicht. Denn nach dem Bundesbildungsbericht 2011, den die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Annette Schavan (CDU), am vergangenen Mittwoch vorstellte, blieben im vergangenen Jahr fast 85 000 Jugendliche ohne Ausbildungsplatz. Hinzu kommen nach Angaben des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) etwa 320 000 junge Menschen, die im »Übergangssystem« festhängen. Sie absolvieren Kurse und Maßnahmen beim Jobcenter oder der ARGE. »Und dies ohne Aussicht auf eine qualifizierte Ausbildung, die zu einem Beruf führt«, monierte Ingrid Sehrbrock, stellvertretende DGB-Vorsitzende.

Auch die stellvertretende NGG-Vorsitzende, Michaela Rosenberger, kritisierte den Berufsbildungsbericht als »leider von wenig Realität getrübtes Wunschdenken«. Die 40 000 zusätzlichen Plätze, die der DIHK nun ankündigte, seien zwar ein Schritt in die richtige Richtung, aber bei Weitem nicht ausreichend, kommentierte der Sprecher der NGG, Werner Staffen, die Ausbildungsumfrage.

Trotz dieses Überschusses an Bewerbern vergaben die Unternehmen auch 2010 nicht alle Ausbildungsplätze. Laut DIHK-Schätzungen verlassen 2011 rund 160 000 Jugendliche, die nicht »ausbildungsreif« seien, die Schule. Insbesondere die Industrie wies laut Wansleben weiterhin auf mangelnde Mathematikfähigkeiten hin. In fast allen Branchen werde zudem über die sozialen Kompetenzen der Jugendlichen geklagt. Das beträfe vor allem die »Tugenden« Leistungsbereitschaft, Belastbarkeit und Disziplin.

Dass die Bewerber Grundfertigkeiten mitbringen müssten, meint auch die NGG. Doch auch Unternehmen müssten die sozialen Kompetenzen, die sie selbst verlangen, vorleben. Die Arbeitsbedingungen im Hotel- und Gaststättengewerbe hätten beispielsweise der ganzen Branche ein schlechtes Image eingebracht. »Wer ausbeutet statt ausbildet, muss sich nicht wundern, wenn junge Menschen diese Plätze ohne Perspektive nicht besetzen«, äußerte Agnes Alpes, Ausbildungs-Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag.

Angesichts sinkender Bewerberzahlen durch geburtenschwache Jahrgänge seien die Unternehmen laut DIHK aber überwiegend dazu bereit, ihre Ausbildungsplätze auch mit lernschwächeren Jugendlichen zu besetzen. Dafür wünsche sich ein Viertel der Unternehmen über die Schulzeugnisse hinausgehende Informationen über die jungen Leute. Dies bewertete auch die NGG positiv und forderte den Ausbau von Kooperationen zwischen Wirtschaft und Schulen. Der DGB verlangt von der Bundesregierung, Jugendliche beim Übergang von der Schule in den Beruf stärker zu unterstützen und die Qualität der betrieblichen Ausbildung zu verbessern.

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