Werbung

Da staunt der Kaiser auf seinem Sockel

Gestern begann in Koblenz die Bundesgartenschau, die bis zum 16. Oktober geöffnet ist

Die Festung Ehrenbreitstein beherbert den größten Teil des Ausstellungsgeländes.
Die Festung Ehrenbreitstein beherbert den größten Teil des Ausstellungsgeländes.

Sichtlich angespannt stand Stephan Lenzen noch vor wenigen Tagen auf der Koblenzer Festung Ehrenbreitstein. Sein Werk war fast vollendet, nur noch wenige Tage trennten ihn und seine Mitstreiter vom offiziellen Beginn des Ereignisses, das sie seit Jahren beschäftigt hat. Noch standen überall Bauzäune, und Dutzende Menschen werkelten an jeder der noch recht zahlreichen Baustellen. Der außergewöhnlich lange Winter und das folgende Hochwasser hatten die Zeitpläne für die Bundesgartenschau 2011 zur Makulatur werden lassen. Doch der Schlussspurt war olympiareif.

Da staunt der Kaiser auf seinem Sockel

Nun ist das Werk vollbracht. Von der am Freitag begonnenen Schau erhofft sich Oberbürgermeister Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig, dass sie Koblenz für Jahrzehnte verwandeln wird. Besonders hebt er die Neugestaltung des Platzes vor dem Kurfürstlichen Schloss hervor, der früher ein riesiger heruntergekommener Parkplatz war. Das Schloss ist für ihn ein Symbol für die Veränderungen nach dem Motto der BUGA »Koblenz verwandelt«.

Für den federführenden Landschaftsarchitekten Stephan Lenzen, der schon mehreren Landes- und Bundesgartenschauen ihr Gesicht gab, sieht sein persönlicher Gradmesser für den Erfolg der BUGA 2011 so aus: »Wenn ich in 30 Jahren wieder nach Koblenz komme und nicht aus der Stadt gejagt werde.« Die Koblenzer werden ihm wohl eher den roten Teppich ausrollen oder Blumensträuße in die Hand drücken. »Wenn die Leute mit Blumen werfen, macht's nur den Unterschied, ob der Topf dran ist oder nicht«, wirft der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck schmunzelnd ein. Lenzens Blumen sind sicher topflos.

Das Ausstellungsgelände in Koblenz ist mit 48 Hektar recht überschaubar – eine geballte Blütenpracht in den prächtigsten Farben. Hanspeter Faas, Geschäftsführer der Koblenzer BUGA, nennt die vier Leitthemen der Schau: Es sind »Nachhaltigkeit und Wissensvermittlung«, »Potenziale von Stadt und Region«, »Kultur und Geschichte« sowie »Schönheit der Pflanze«. Die Ausstellung ist ortsmäßig dreigeteilt. Vor dem Kurfürstlichen Schloss ist ein Park entstanden. Bei der Neugestaltung des Gartens hinter dem Schloss nahmen die Landschaftsarchitekten eine Anleihe beim preußischen Gartenbaumeister Peter Joseph Lenné. Der in drei Höfe gegliederte Blumenhof am Deutschen Eck eignet sich in seiner Kleinteiligkeit für Kunst aller Art mit kleinen Ensembles. Der größte Ausstellungsbereich auf der Festung Ehrenbreitstein ist ein idealer Platz für größere Konzerte, Familienprogramme und Straßentheater. Die Ausstellung »Mein letzter Garten – 10 000 Jahre Grabkultur an Rhein und Mosel« zeigt anhand archäologischer Grabfunde Besonderheiten der Bestattungskultur von der Steinzeit bis in die Gegenwart. Außerdem zeigen Friedhofsgärtner Mustergräber. »Keine Angst, da liegt keiner drunter«, meint einer grinsend. Derartige Nachfragen kämen immer mal wieder bei den Gartenschauen.

36 000 Dauerkarten sind bereits verkauft. Koblenz rechnet in den nächsten 185 Tagen mit etwa zwei Millionen Besuchern. 3000 Veranstaltungen werden die BUGA zu einem sommerlangen Fest machen. An und um die Bühne auf der Festung Ehrenbreitstein haben über 1000 Gäste Platz.

Wer die BUGA an einem Tag erkunden will, sollte gut zu Fuß sein. Mehr als fünf Kilometer sind auf dem Rundweg zurückzulegen: 1,3 Kilometer am Kurfürstlichen Schloss, 500 Meter am Rheinufer, 700 Meter auf dem Blumenhof am Deutschen Eck und 2,5 Kilometer auf der Festung Ehrenbreitstein.

Da die BUGA praktisch auf zwei Etagen stattfindet, wird wohl jeder Besucher die Attraktion der Ausstellung nutzen. Es ist die neue Seilbahn – die größte Seilbahn Europas außerhalb der Alpen –, um die manches renommierte Skigebiet die Stadt Koblenz beneiden dürfte. Die Gondelbahn führt vom Deutschen Eck, dort, wo die Mosel in den Rhein fließt, auf einer Länge von 850 Metern über den Rhein hinauf zur Festung Ehrenbreitstein. Selbst der hoch zu Ross sitzende Kaiser Wilhelm I. wird staunend heraufblicken.

Die Koblenzer feiern übrigens eine Jubiläumsschau: Die BUGA wird 60. Die erste richtete 1951 Hannover aus. Seit 1953 wird die BUGA alle zehn Jahre durch eine Internationale Gartenbauausstellung (IGA) ersetzt. 2013 ist Hamburg Gastgeber für die IGA. Die nächste Bundesgartenschau wird 2015 in der Havelregion Brandenburg und Sachsen-Anhalt stattfinden.

  • Infos: Bundesgartenschau Koblenz 2011 GmbH, Kastorpfaffenstr. 21, 56068 Koblenz, E-Mail: info@buga2011.de, www.buga2011.de, Tel.: (0261) 201 65 65 65; Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH, Löhrstr. 103-105, 56068Koblenz, info@rlp-info.de, www.rlp-info.de, Infos und Buchungen: (01805) 757 46 36
  • Geöffnet vom 15. April bis 16. Oktober
  • Eintritt: Erwachsene 20 Euro, Kinder und Jugendliche 5 Euro
  • Öffnungszeiten: Kassen 9-19 Uhr, Einlass 9-20 Uhr, das Gelände schließt eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang
  • Öffentliche Führungen täglich 11 Uhr, Treffpunkt Eingang Festungspark, Erwachsene: 3 Euro
  • Individuelle Führungen sind buchbar unter: (0261) 303 88 14
  • Fast das gesamte Gelände ist barrierefrei.
  • Eine Seilbahn und ein Shuttle-Service verkehren zwischen den städtischen Bereichen und der Festung Ehrenbreitstein
  • Mit der FreizeitCARD Rheinland-Pfalz und Saarland (41,50 Euro) kann man neben freiem BUGA-Eintritt 168 Attraktionen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland besuchen, Infos: www.freizeitcard.info

Gartenschauen 2011

1. April bis 31. Oktober:
Kaiserslautern (Rheinland-Pfalz)

21. April bis 9. Oktober:
Norderstedt (Schleswig-Holstein)

20. Mai bis 18. September:
Horb am Neckar (Baden-Württemberg)

27. Mai bis 21. August:
Kitzingen (Bayern)

15. April bis 2. Oktober:
Ansfelden (Oberösterreich)

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln