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Ostermärsche üben Schulterschluss

Anti-Atombewegung in Gronau rechnet mit großem Zulauf / Rund 400 Demos geplant

  • Von Bernhard Clasen
  • Lesedauer: 3 Min.

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Friedens- und Anti-AKW-Bewegung stellten ihre Pläne für Ostern vor: Sie wollen getrennt und zusammen demonstrieren, über den Austausch von RednerInnen gemeinsam an ihre Themen gehen, aber die eigenen Schwerpunkte betonen.

Gemeinsam und getrennt wollen Friedens- und Umweltbewegung zu Ostern demonstrieren. Vor allem am Ostermontag, dem 25. Jahrestag des Super-GAU in Tschernobyl, wo am 25. April 1986 um 23.23 Uhr Mitteleuropäischer Zeit der Reaktor explodierte, wollen sie auf die Straße gehen.

»Nordrhein-Westfalen ist umzingelt von Atomwaffen und Atomkraftwerken. Allein die in Rheinland-Pfalz, Belgien und den Niederlanden stationierten US-amerikanischen Atomraketen haben die Sprengkraft von tausend Hiroshima-Bomben. Mit unserer Demonstration am 25. April in Gronau wollen wir unserer Forderung nach Abzug der Atomwaffen aus Büchel Nachdruck verleihen«, begründet Joachim Schramm von der »Deutschen Friedensgesellschaft/Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen« (DFG/VK) die Mitwirkung einer der ältesten pazifistischen Organisationen am diesjährigen Ostermarsch im nordrhein-westfälischen Gronau.

Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz erklärten Friedens- und Umweltgruppen aus NRW, warum sie dieses Jahr den Schwerpunkt ihrer Osteraktivitäten auf Gronau legen. Dort befindet sich Deutschlands einzige Wiederaufbereitungsanlage, die weltweit 30 Atomkraftwerke mit an- und abgereichertem Uran bedient. »Allein 2010 sind drei Atomtransporte von der Wiederaufbereitungsanlage der Firma Urenco in Gronau nach Japan gegangen«, berichtet Udo Buchholz, Mitglied im Bundesvorstand des »Bundesverbandes Bürgerinitiativen Umweltschutz« (BBU) und grüner Ratsherr in Gronau, der seit Jahren den Ostermarsch in Gronau organisiert. Bisher, so Buchholz, sei man in dem Städtchen an der Grenze zu den Niederlanden nie über dreistellige Teilnehmerzahlen bei Anti-Atom-Demonstrationen hinausgekommen. Dieses Mal rechne man mit einem Vielfachen der bisherigen Teilnehmerzahlen. Inzwischen ruft sogar der Landesvorstand der nordrhein-westfälischen SPD seine Mitglieder zum Ostermarsch in Gronau auf.

Auffallend am Gronauer Ostermontag ist die enge Zusammenarbeit von Friedens- und Umweltbewegung in der Vorbereitungsphase. »Gronau ist da sicherlich eine Besonderheit«, meint Kristian Golla vom Netzwerk Friedenskooperative in Bonn gegenüber ND. »Zeigt doch die Wiederaufbereitungsanlage in Gronau die Gefahren von ziviler und militärischer Nutzung.«

An rund hundert Orten wird es dieses Jahr wieder Ostermärsche geben, an 400 Orten werden die Atomkraftgegner am Ostermontag demonstrieren. Man unterstützt sich gegenseitig, marschiert aber getrennt. Die Ostermarschierer nehmen die Ablehnung der Atomenergie gerne in ihren Forderungskatalog auf, wollen aber die Auseinandersetzung um den Krieg in Afghanistan, den Libyenkonflikt und die mit der Bundeswehrreform verbundene Werbekampagne an den Schulen keinem Minimalkonsens opfern.

Umwelt- und Friedensgruppen kooperieren mit dem Austausch von RednerInnen, sprechen ihre Termine ab. In Hamburger hat man auf einen Ostermarsch am Ostermontag verzichtet, will man doch der Anti-AKW-Demonstration in Krümmel nicht ins Gehege kommen. Man mache zwar getrennte Aktionen, beteilige sich aber an den Aktionen der anderen, so Wolfgang Kirstein, der einer der Hauptredner der Anti-AKW-Demonstration vor dem Kraftwerk Krümmel sein wird.

Ähnlich geht man auch in Mecklenburg-Vorpommern vor. Dort wird der Friedensaktivist Monty Schädel bei der Auftaktkundgebung der Atomkraftgegner in Schwerin sprechen, das Rostocker Friedensbündnis wird mit einem Redner auf der Demonstration der Atomkraftgegner in Lubmin vertreten sein. Daneben, so Schädel gegenüber ND, gebe es aber in Mecklenburg-Vorpommern einzelne Ostermärsche, an denen sich nur Friedensgruppen beteiligten.

Der Frankfurter Ostermarsch hat mit den Veranstaltern der Aktion in Biblis anlässlich des 25. Jahrestages von Tschernobyl ebenfalls einen RednerInnenaustausch vereinbart. Man sieht aber gleichzeitig auch die unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen von Friedens- und Anti-Atombewegung.

»Wir als Friedensbewegung wollen nicht einfach eine Anti-AKW-Bewegung werden. Das deutsche Kapital wird viel an der erneuerbaren Energie verdienen. Das Öl und Gas wird es weiter dort holen wollen, wo es jetzt schon herkommt. Und diesen Anspruch wird es auch weiterhin mit Militär und Krieg unterstützen, so wie jetzt in Libyen. Deswegen braucht es weiter eine starke Anti-Kriegs-Bewegung. Und deswegen wollen wir nicht alle einfach nur grün werden«, so Horst Trapp vom Frankfurter Ostermarsch.

Termine: www.friedenskooperative.de/netzwerk/om2011.htm

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