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Der Tag der Osterreiter

In den sorbischen Dörfern Ostsachsens bereitet man sich auf die traditionellen Prozessionen vor

  • Von Anett Böttger, dpa
  • Lesedauer: 2 Min.
Bei der Sorben-Organisation Domowina hat David Statnik die Zügel erst kürzlich in die Hand genommen. Als Osterreiter sitzt der junge Ralbitzer aber schon seit Jahren fest im Sattel. Inzwischen trägt er sogar das Kreuz für eine von neun Prozessionen.

Ralbitz. »Für mich war immer klar, dass ich Osterreiter werde«, sagt David Statnik. Aus tiefer Überzeugung wird der 27-jährige Katholik am Ostersonntag in den Sattel steigen und in der Prozession von seinem Heimatort Ralbitz nach Wittichenau das Kreuz tragen. »Ich habe durch meine Eltern einen sehr ehrlichen Bezug zum Glauben«, sagt der Familienvater. Mit 15 saß der Sorbe zum ersten Mal im Sattel, um bei der traditionellen Prozession die Botschaft von der Auferstehung Jesu Christi zu verkünden. In diesem Jahr ist er nun erstmals als Vorsitzender der Sorben-Organisation Domowina dabei.

Seit Jahrhunderten pflegen katholische Sorben den bundesweit einzigartigen Brauch im Osten Sachsens. Im Städtedreieck zwischen Bautzen, Hoyerswerda und Kamenz sind neun Prozessionen durch mehr als 30 Orte unterwegs. Im vergangenen Jahr waren rund 1700 festlich gekleidete Männer auf bunt geschmückten Pferden dabei, bestaunt von tausenden Zuschauern in Städten und Dörfern. Im Ralbitzer Zug tragen etwa 300 Reiter die Auferstehungsbotschaft in die benachbarte Pfarrgemeinde. »Schon als Kind faszinierte mich ihre Ausstrahlung«, erinnert sich Statnik. Als ein neuer Reiter für die Aufgabe in der Gemeinde gefunden werden musste, suchte sein Vater als Prozessionskantor nicht unbedingt zuerst in der Familie, erzählt der Sohn. Da sich jedoch niemand fand, sei die Wahl schließlich auf ihn gefallen.

Statnik holt das Geschirr für sein Pferd hervor, ein mit Muscheln besetztes Zaumzeug, das er als 16-Jähriger von seinen Eltern zu Weihnachten bekam. »Das war eines meiner schönsten Geschenke«, sagt Statnik, der als Bühnenmeister am Sorbischen National-Ensemble in Bautzen arbeitet.

»Um die Pferde kümmert sich unser Vater«, erzählt Statnik. Die Tiere kommen aus der Gegend um Torgau. Am Ostersonntag selbst stehen die Männer zeitig auf, nicht nur um sich selbst herauszuputzen, sondern auch die Rösser. »Wir halten das eher schlicht«, sagt Statnik. Nur jeweils eine Blüte schmückt die Schläfe ihrer Pferde. Auf deren Rücken legen die Männer den Tag über gut 30 Kilometer zurück. Unterwegs beten und singen sie auf Sorbisch. Mittagessen und Verpflegung für die Tiere erhalten sie gegen einen kleinen Obolus bei Privatleuten. »Es ist eine Ehre, Osterreiter zu beköstigen«, erzählt er über den Brauch.

Wenn der Zug abends nach Ralbitz zurückkehrt, werden die Männer vom Läuten der Kirchenglocken und ihren Familien empfangen. »Das ist etwas sehr Schönes«, sagt Statnik. Er möchte nicht nur seinen zweijährigen Sohn und die neun Monate alte Tochter im sorbischsprachigen Umfeld aufwachsen sehen, sondern hofft auch, dass Matej die Tradition des Osterreitens fortsetzen möge.

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