Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

»Bild«-Bildungsbürger?

Die arme Arbeitsagentur! So viele Sanktionen wie nie »musste« (Wortlaut »Bild«) sie im vergangenen Jahr verhängen, weil Hartz-IV-Sünder ihr Vermögen verprassten, die Arbeit verweigerten oder gar nicht erst zum Amtstermin gingen. So in etwa sieht jedoch nicht nur das Hartz-IV-Bild der Zeitung, sondern wohl auch der Mehrheit der Deutschen aus. Das ist das eigentlich Bittere.

»Spiegel Online« berichtete gestern über die »Bild«-Aufmachung. Was in den Kommentaren unter dem Beitrag zu lesen war, erschreckt: Selbst in dem »Bildungsbürgerblatt« – also bei jenen, von denen man denkt, sie müssten es eigentlich besser wissen – ist heiß umkämpft, ob Millionen Hartz-IV-Empfänger nun eigentlich ein Recht auf Existenzminimum haben oder sich nur »in der Opferrolle« suhlen. »Wer keinen Bock hat zu arbeiten, hat auch kein Recht darauf, von der Gemeinschaft durchgefüttert zu werden«, schreibt einer oder eine. Glücklicherweise fragt später noch jemand: »Schon mal was von Solidarität gehört?«

Hartz-IV-Empfänger eignen sich eben offenbar immer noch als einer der besten gesellschaftlichen Sündenböcke. Auf sie kann vieles projiziert werden, von den eigenen Abstiegsängsten bis zum politischen Versagen. Wie sonst lässt sich der Erfolg jener Hetze erklären, wenn doch rational klar ist, dass in einer Gesellschaft mit endlichen Jobs jeder selbst einmal betroffen sein könnte?

Die letzte »Hartz-IV-Schande« – eine völlig vergurkte Hartz-IV-

Reform –, ist jedenfalls kaum mehr Thema der Kommentare. Und das wiederum ist doch eine beachtliche psychologische Leistung!

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln