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Designiert

Mario Draghi / Der italienische Notenbanker wird wohl neuer Chef der EZB

Vom scheidenden Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, stammt das Kompliment, Mario Draghi habe sich während der jüngsten Krise als »resistenter Manager« gezeigt. Der italienische Notenbankgouverneur, damit qua Amt auch Ratsmitglied der EZB, tritt nicht häufig öffentlich in Erscheinung, ist jedoch auch nicht um ein klares Wort zur rechten Zeit verlegen: So hielt er seinen Landsleuten Anfang des Jahres vor, man solle sich ein Beispiel an der deutschen Wirtschaft nehmen und mutig vor allem in die Bildung investieren.

Häufiger in die Öffentlichkeit wird Draghi kommen, sollte er den EZB-Chefposten übernehmen. Da der französische Präsident Nicolas Sarkozy in dieser Woche offiziell seine Unterstützung bekannt gegeben hat und Bundeskanzlerin Angela Merkel keinen Gegenkandidaten aus dem Hut zaubert, gilt der passionierte Bergsteiger nun endgültig als designierter Nachfolger von Trichet. Noch vor wenigen Monaten war Axel Weber Mitfavorit, doch der damalige Bundesbankchef manövrierte sich mit seinem Poltern gegen die etwas gelockerte Geldpolitik der EZB und seinem Rücktritt ins Abseits – gestern bekam sein Nachfolger Jens Weidmann die Ernennungsurkunde. Draghi gilt zwar auch als Verfechter einer strikten Haushaltsdisziplin und Währungsstabilität, tritt aber anders als Weber pragmatisch und diplomatisch auf – für die meisten Eurostaaten war er daher schon lange der Topfavorit.

Der 63-Jährige gehört zu den eher unauffälligen Finanzexperten. Der an der Universität von Rom ausgebildete Volkswirt, der am Massachusetts Institute of Technology promovierte, begann seine Karriere 1976 an der Universität von Padua, später lehrte er in Florenz und Harvard. Von 1984 bis 1990 war er italienischer Vertreter in der Weltbank, später Finanzstaatssekretär in der Regierung Ciampi. Nach der Jahrtausendwende leitete er das Europageschäft der Investmentbank Goldman Sachs, die Griechenland beim Kaschieren des Haushaltsdefizits half. Im Februar 2006 schließlich wurde Draghi an die Spitze der Banca d’Italia geholt. Der nächste Karrieresprung dürfte Mitte Juni besiegelt werden, wenn die EU-Staats- und Regierungschefs den Trichet-Nachfolger offiziell benennen wollen.

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