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Die Ostsee ist angeschaltet

Windpark »Baltic I« liefert Strom für 50 000 Haushalte

  • Von Velten Schäfer
  • Lesedauer: 3 Min.
Ein Jahr nach der Testanlage »Alpha Ventus« in der Nordsee wird heute auch in der Ostsee die erste kommerzielle deutsche Hochsee-Windkraftanlage in Betrieb genommen. In der Nordsee sind Teile des Parks »BARD I« schon seit einigen Wochen am Netz. International bleibt Deutschland ein Nachzügler bei der Offshorewindenergie.

EnBW durchlebt bekanntlich unruhige Zeiten. Doch nach diesem Wochenende dürften die Schwaben zufrieden sein mit der Presseschau: Nichts wollte den feierlichen Netzanschluss von »Baltic I“ vor dem Darß trüben. Nicht einmal die viel beschworenen Bürgerinitiativen gegen Strommastenbau hätten stören können: Im Land ist laut Deutscher Energieagentur (Dena) derzeit nur eine einzige Stromtrasse geplant – und die hat mit Offshore nichts zu tun. Sie soll zwischen Schwerin und Krümmel verlegt werden.

Zur heutigen Inbetriebnahme des ersten kommerziellen Ostsee-Windenergieparks außerhalb der Zwölfmeilenzone hatte sich sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) angekündigt; es war davon auszugehen, dass sie lobende Worte finden würde. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) hatte dem Windpark außerhalb der 12-Meilen-Zone schon beim Baubeginn vor einem Jahr »Pilotcharakter« bescheinigt. Einziger Wehmutstropfen mag da gewesen sein, dass der niedersächsische Amtskollege David McAllister (CDU) mit der Einweihung des ersten deutschen kommerziellen Windparks überhaupt, »BARD 1«, in der Nordsee, bereits vor wenigen Wochen vorgeprescht ist, im Beisein von EU-Energiekommissar Günter Oettinger. Die beiden ließen sich in orangefarbenen Overalls auf der Plattform fotografieren. Dabei stehen sogar laut Betreiber nordwestlich von Borkum erst 18 von geplanten 80 Anlagen – und tatsächlich am Netz sind erst zehn davon.

Vielleicht deswegen nannte EnBW-Chef Hans-Peter Villis »Baltic I« vor dem Wochenende weiterhin den »ersten kommerziellen Windpark Deutschlands«. Seine 21 Windkraftanlagen vor der Halbinsel Fischland-Darß sollen ab heute tatsächlich am Netz sein und eine Gesamtleistung von etwa 50 Megawatt erreichen – laut EnBW jährlich 185 Gigawattstunden Strom, genug für 50 000 Haushalte. Schon im September war der Windpark fertiggestellt worden, Verzögerungen hatte es zuletzt beim Anschluss an das Umspannwerk an Land gegeben. Das Nachfolgeprojekt steht nach Konzernangaben schon in den Startlöchern: »Baltic II« – nahe dem schwedischen Park »Kriegers Flak« – soll mit 80 Turbinen in etwa die auch für »BARD 1« projektierte Dimension erreichen und rund 1,2 Milliarden Kilowattstunden Strom pro Jahr produzieren. Geplanter Baubeginn ist 2012. EnBW hatte die beiden bereits in der Projektphase befindlichen Windparks 2008 erworben.

Deutschland ist bei der Hochsee-Windkraft im internationalen Vergleich ein Nachzügler. Mit »Alpha Ventus« ist die erste Testanlage mit zwölf Anlagen, ebenfalls vor Borkum, erst seit vergangenem Jahr am Netz. Seit 2009 verfolgt die Bundesrepublik ein koordiniertes Verfahren zum Ausbau der Windkraft auf See. Die Bundesregierung beschloss damals noch kurz vor der Bundestagswahl einen Raumordnungsplan, nach dem in der Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) Deutschlands in der Nordsee 30 Windparks und in der Ostsee zehn errichtet werden sollen. Die Ausweisung von geeigneten Zonen sollte Projektbetreibern mehr Planungssicherheit ermöglichen. Der damalige Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) versprach sich seinerzeit 30 000 Arbeitsplätze vom Aufbau einer deutschen Offshore-Windkraft-Branche .

Schwerpunkt der Ostsee-Windenergie soll das Gebiet nördlich von Rügen werden. Dort sind der Park »Wikinger« (früher als Venotech Ost bekannt) und »Arkona Südost« mit ebenfalls je 80 Anlagen genehmigt. Im Verfahren befinden sich zwei kleineren Projekte, »Adlergrund GAP« mit 31 und »Adlergrund 500« mit 20 Anlagen.

Die Turbinen von »Baltic I« stammen von Siemens, die elektrische Ausrüstung für die Umspannplattform vom Technikkonzern ABB, die Fundamente für die Rotorenmasten von den Erndtebrücker Eisenwerken EEW. Aber auch die regionale Wirtschaft hat etwas von den EnBW-Aktivitäten an der Küste: 2009 unterzeichnete der Energieriese einen Kooperationsvertrag mit dem Rostocker Windkraftspezialisten Nordex. Im Fokus sollten dabei bestimmte Turbinentypen stehen, die Nordex seit langem mit Erfolg herstellt.

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