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Mediaspree macht noch Pause

Auch in diesem Sommer prägen Strandbars die Ufer in Friedrichshain und Kreuzberg

Am »Yaam«-Strand an der Spree
Am »Yaam«-Strand an der Spree

Wenn Christoph Klenzendorf ans Telefon geht, hört man Baulärm im Hintergrund. Er flachst ein wenig, ziert sich aber, sobald man auf seine neue Strandbar zu sprechen kommt. Dabei ist »Kater Holzig« bereits stadtbekannt. So nennt Klenzendorf den Nachfolger seiner »Bar 25«, die im vergangenen Jahr schließen musste. Auf der gegenüberliegenden Uferseite, eingebettet in die Mauern der alten Seifenfabrik, greift er auf das bewährte Bretterbudenensemble zurück. »Wir arbeiten fieberhaft«, sagt er. Mehr Auskunft gebe sein »Pressesprecher Herr Rottenmaier«.

Doch auch der will über das Vorhaben nicht reden. Noch stehe kein Termin für die Eröffnung fest, weil die »Verhandlungen mit den Ämtern« nicht abgeschlossen seien. Rottenmaier druckst herum und will damit offenbar Neugierde schüren. Nicht ganz so ein Tamtam um ihre Strandbar machen die Betreiber des »Kiki Blofeld« nebenan. Dort konnte die Zwischennutzung für das Gelände am Ufer verlängert werden. Heute startet die Saison. Das Herz des Clubs ist das schussfeste Bootshaus, das einst als Liegeplatz für Patrouillenboote der DDR-Wasserschutzpolizei diente. Auf der Terrasse werden die Sommernächte durchgetanzt.

Improvisierte Clubs und Bars machen auch in diesem Sommer die Brachen entlang des Ufers zwischen Michaelkirchbrücke und Oberbaumbrücke erlebbar. Der umstrittene Wandel von Berlins idyllischem Spreeabschnitt hin zu einem Dienstleistungsviertel lässt noch auf sich warten. Auf dem alten Standort der »Bar 25« wird zurzeit der kontaminierte Boden ausgetauscht. »Das kann sich hinziehen«, meint Carsten Joost von der Initiative »Mediaspree versenken«. Alle Bemühungen der BSR-Tochter »Spreeurban Entwicklungsgesellschaft«, das Gelände an der Holzmarktstraße zu verkaufen, seien bisher gescheitert, erzählt Joost. Der Aktivist initiierte vor drei Jahren den erfolgreichen Bürgerentscheid gegen eine großflächige Uferbebauung. Nun hofft er darauf, dass an der Holzmarktstraße ein neues Experimentierfeld entsteht.

Eine Brücke weiter feiert derzeit der Club »Maria« seine letzten Partys. Der Projektentwickler LIP aus Hamburg will am Stralauer Platz Hotels, Bürobauten und zum Ufer hin Lofts bauen. Es gab allerdings eine »Kontroverse zwischen Erwerber und dem Bezirksamt um die Geschosshöhe am Ufer«, erklärt Franz Schulz (Grüne), Bürgermeister von Friedrichshain-Kreuzberg. LIP wollte höher hinaus als die sechs Geschosse, die der Bezirk zulässt. Nutznießer des Konfliktes sind die Nachtschwärmer, denn so darf der Maria-Betreiber Ben de Biel den Club noch bis zum Jahresende weiterführen. Das will er jedoch ohne Namenszug tun, den er wie geplant am 21. Mai abschrauben will.

Unverändert ist die Situation im »Yaam« vis-á-vis zum Ostbahnhof. Die Strandbar mit dem maroden Charme hat bereits geöffnet und ist ein Treffpunkt für die afrikanische Community. Der Bürgerrechtler Joost freut sich darüber, dass in diesem Jahr die Taschenkontrollen am Eingang wegfallen. »Die Leute kaufen auch so ihre Getränke an der Bar«, glaubt er. Die Preise findet er moderat – ein kleines Bier kostet 2,50 Euro. In der »Bar 25« habe man drei Euro bezahlen müssen, im »Watergate« gar vier Euro. Das sei wenig sozialverträglich.

Lauschig ist es am urwüchsigen Ufer des »Yaam«. Die Gäste sitzen unter den niedrigen Ahornbäumen, Jugendliche spielen Reggae-Klassiker auf der Gitarre. Im benachbarten »Oststrand« blühen die ersten Robinien. Dort liegt ein alter Kahn am Kai; darauf stehen Tische und Liegestühle. Die Stimmung erinnert ein wenig an Emir Kusturicas Film »Schwarze Katze, weißer Kater«.

Ein solches Ambiente kann der öffentliche Park vor der Arena am Ostbahnhof nicht bieten. Die baumlose Wiese zwischen Eastside-Gallery und Uferweg ist nur mäßig besucht und wirkt so öde wie eingezäuntes Brachland. Kaum vorstellbar, dass sich hier einmal das Leben abspielt, wenn alle Zwischennutzungen am Ufer abgelaufen und die Strandbars verschwunden sind.

Strandbars am Ufer

  • »Kiki Blofeld« eröffnet heute mit DJ Ricardo Rodriguez, Köpenicker Straße 49; nebenan in der Hausnummer 50 befindet sich bald »Kater Holzig« in der alten Seifenfabrik.
  • »Maria am Ostbahnhof« bläst zum Countdown: heute mit Electrodes & Wires, morgen: Ostfunk, Stralauer Platz 33-34.
  • Im »Yaam« am Ostbahnhof legen heute Barney Miller und Wayne Smith auf, Stralauer Platz 35.
  • »Im Oststrand gibt's keine Palmen. Wir sind ja nicht in Afrika«, verkündet das Internet unter www.oststrand.de – stimmt aber nicht mehr: säulenhohe Palmen zieren den Eingang, Mühlenstraße 22.

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