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Liebe bis zuletzt

Tanztheater in Magdeburg: »Stürmische Höhen« nach einer Romanvorlage von Emily Bronte

  • Von Volkmar Draeger
  • Lesedauer: 3 Min.

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W elch starke Gefühle müssen in der knapp 30-jährig verstorbenen Emily Bronte unausgelebt geblieben sein, dass sie einen solchen Roman schaffen konnte! »Wuthering Heights«, 1847 erschienen und im prüden England wenig gnädig aufgenommen, sollte ihr einziger bleiben, im Jahr darauf bereits erlag sie der Schwindsucht. Wie ihre Schwestern Charlotte und Anne fühlte sie früh literarische Ambitionen, ermutigt vom Vater, einem schreibenden Pfarrer. Im nebelverhangenen, moordurchzogenen Yorkshire lebten sie arm und zurückgezogen; einzig in ihrer Fantasie erfanden sie Abenteuer, die der Alltag ihnen verweigerte. So eben wie Emily sie in der »Sturmhöhe« beschreibt.

Eine Liebe, leidenschaftlich wie die der Manon, der Marguerite, der Tatjana, erfasst die Romanheldin Catherine, als der Vater eines Tages das abgerissene Findelkind Heathcliff in die Familie mitbringt. Bruder Hindley lehnt den Jungen so vehement ab, wie sich seine Schwester Catherine ihm zuwenden wird. Der Konflikt ist geschürt: Eine unstandesgemäße Liaison hat keine Aussicht auf Erfüllung. Catherines Heirat mit dem begüterten Nachbarssohn, Heathcliffs Flucht sind die Folge. Als er, Jahre später, wohlhabend heimkehrt, nimmt er tödliche Rache an denen, die ihn schikaniert haben, geht daran selbst zugrunde.

Schauerromantik klingt hier an, die jedoch Emily Brontes Feinzeichnung der Charaktere ins Reale einer untrennbaren Liebe veredelt. Film, Oper, Musical griffen seit den 1920ern nach dem trächtigen Sujet, als Ballett feierte es 2002 nahe dem Ort der Handlung seine Premiere.

Der Version des französischen Musical-Komponisten Claude-Michel Schönberg, dessen Hugo-Adaption »Les Misérables« ein Welterfolg wurde, passte in Magdeburg Gonzalo Galguera seine Choreografie »Stürmische Höhen« als deutsche Erstaufführung an. Und lieferte damit gleichsam sein Plädoyer fürs Handlungsballett ab. Dass es etwas düster ausfällt, liegt an Emily Brontes Vorlage.

In zehn Bilder zweier Akte, umrahmt von Prolog und Epilog, gliedert sie sich hier und konzentriert sich unter Verzicht vieler Nebenfiguren ganz auf die Hauptgestalten. Noch als Greis hängt Heathcliff vor ihrem Gemälde der Erinnerung an seine Jugendliebe Cathy nach, durchlebt im Rückblick die Stationen gemeinsamen Leidens. Die Sturmhöhe, wo sich das Drama abspielt, visualisiert Juan Léons Bühnenbild findig als eine umhängende Serie aus Gemälden windzerzauster Landschaften. Das macht rasche Verwandlung zum eleganten Nachbarsinterieur unter Lüstern möglich.

Die Choreografie setzt alles erzählsicher in bildstarken neoklassischen Tanz um, dem eine spannungsvolle, unter Pawel Poplawski engagiert aufschäumende Musik zwischen Forte, Oboe und zarter Solovioline reichlich Pas de deux zuordnet. Vom kindlichen Versteckspiel übers tastende Finden der Hände bis zum so originell wie knifflig ertüftelten Gefühlsausbruch reicht die Skala, die Veronika Zemlyakova und Kirill Sofronow souverän bewältigen.

Das Gros an Tanz absolvieren indes die fünf zentralen Figuren: Jake Burdens aggressiver Hindley, Andreas Loos als vornehmer, in seiner Liebe zu Cathy unerschütterlicher Edgar, Emma Hanley Jones als seine infam von Heathcliff als Werkzeug benutzte, naive Schwester Isabella, vor allem die beiden Hauptgestalten. Wie fein Galguera die Fäden jener emotionalen Verwicklung spinnt, zu welchem Feuer er die Hitze schürt, macht seine »Stürmischen Höhen« zum Gefühlssturm.

Grell wie die Romanvorgabe ist das bisweilen, verbleibt auch von Stephan Stanisics Kostümen her in dessen Zeitepoche und findet erst im Epilog eine tröstliche Auflösung. Da gehen der sterbende Heathcliff und die Vision seiner toten Cathy in ein hoffentlich glücklicheres Nirgendwo ein.

Nächste Vorstellung: 21. Mai

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