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Unbequemer linker Freigeist

Hamburger PDS-Mitgründer Horst Bethge gestorben

  • Von Wolfgang Gehrcke
  • Lesedauer: 2 Min.

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Horst Bethge ist tot. Wie gestern bekannt wurde, verstarb das Gründungsmitglied des Hamburger Landesverbandes der PDS bereits letzte Woche. Der Pädagoge (Jhrg. 1935, Foto: Michael Sommer) war in den 1990er Jahren Sprecher der AG Bildung der PDS. Viele Jahre lang engagierte er sich in der Friedensbewegung.

Horst Bethge war mehr als nur ein Freund, mehr als nur Genosse, mehr als nur Aktiver in den außerparlamentarischen Bewegungen. Horst war ein Ausdruck deutscher Geschichte nach 1945 im Westen. Er war einer der Widersprechenden in dieser Geschichte, ein Symbol und Signal des besseren Deutschlands.

Horst und ich haben seit 1961 zusammengearbeitet. Frieden, Demokratie und Bildung oder besser noch Frieden und Demokratie durch Bildung, das war sein Credo. Horst war einer der Initiatoren der Bewegung »Kampf dem Atomtod«, rief die Freigeistige Jugend und die Junge Aktion gegen Atomtod ins Leben und ohne ihn hätte es die Ostermarschbewegung und die Massenproteste gegen die Raketenstationierung nicht gegeben. Bei soviel Engagement für Frieden und Demokratie war es fast selbstverständlich, dass die SPD ihr Mitglied Horst Bethge 1959 rausschmiss. Horst war untypisch für Parteien, obwohl er auf allen Parteitagen der PDS für seine Auffassungen focht und zu den zwölf Begründern der PDS in Hamburg gehörte.

Horst wollte kein Land mit Notstandsgesetzen und die Berufsverbote waren für ihn ein Verhängnis der deutschen Politik. Seiner Zähigkeit, seiner Menschenfreundlichkeit, seiner Gegnerschaft zum Antikommunismus war es zu verdanken, dass die Opfer der Berufsverbote nicht allein gelassen wurden, sondern Solidarität und Begleitung gefunden haben. Die Pädagogen für den Frieden, die Gewerkschaft GEW, der Bund demokratischer Wissenschaftler – all das waren seine Anliegen. Keiner konnte so lachen wie Horst, so streiten, so sich festbeißen, unabhängig ob es sich im Einzelfall gelohnt hat. Kein Papier, das Horst nicht gesammelt hat, und die Nachtschichten von und bei Horst waren berüchtigt ebenso wie seine ständig dampfende Pfeife.

76 Jahre ist Horst geworden, ein reifes Menschenalter, aber viel zu wenig gemessen an dem, was er bewegt hat und was er bewegen wollte. Er fehlt uns, er fehlt mir, wir hätten noch so vieles umwälzen wollen.

Der Autor ist Abgeordneter der Linkspartei im Bundestag.

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