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Berlin geht wieder baden

Saison eröffnet / Wasserqualität hervorragend

Wer sich schon einmal im Landeanflug auf Berlin befunden hat, weiß: das Berliner Umland ist eine glitzernde dunkle Fläche. Unzählige Flüsse und Seen bedecken rund 53 Quadratmeter der Stadtfläche. Seit dem Beginn der Badesaison Mitte Mai können die Berlinerinnen und Berliner dort ganz offiziell abtauchen. Und es gibt gute Nachrichten für alle, die Abkühlung suchen: Die Gewässerqualität ist hervorragend. »Außer dem Flughafensee sieht alles super aus«, freut sich Silvia Kostner vom Landesamtes für Gesundheit und Soziales (LAGeSo). 37 der 38 von der Behörde untersuchten Badestellen wurden so eingestuft.

Wer in Berlin baden gehen möchte, hat also die Qual der Wahl. Nebenarme der Flüsse Dahme, Havel und Spree sind an einigen Stellen zu Seen aufgestaut – wie der Große Müggelsee oder der Wannsee. Es gibt Landseen wie den Orankesee. Aber auch der Innenstadtbereich hält natürliche Badestellen bereit: Wer am Strand des Plötzensees liegt, kann Flugzeuge bei ihrem Start- und Landeanflug auf Tegel beobachten.

Anders als in angelegten Freibädern muss in Seen das Wasser nicht aufbereitet werden. Das erledigt die Natur. Allerdings kann das Gleichgewicht der Gewässer auch aus dem Lot geraten. Innerhalb der Badesaison vom 15. Mai bis zum 15. September überprüft das LAGeSo darum regelmäßig die Wasserqualität. So soll sichergestellt werden, dass Baden gesundheitlich unbedenklich bleibt. »Während der Saison fahren alle paar Tage Boote heraus und nehmen Proben«, sagt Silvia Kostner. Generell sei die Gewässerqualität aber sehr gut: Flüsse und Seen könnten sich auch nach Rekordsommern noch regenerieren.

Zwar sind zur Saison viele flache Gewässer durch Algen verfärbt. Die Sichttiefen liegen je nach Bewuchs zwischen 5 Metern (Tegler See) und 60 Zentimetern (Freibad Wendenschloss). »Das sagt nichts über die Wasserqualität aus«, betont Kostner. Wem es trotzdem vor den glitschigen Gewächsen graust, der sollte vorab auf der Internetseite der LAGeSo den Algenbewuchs der Badestelle prüfen.

Anders als die Algen können Starkregenfälle gefährlich werden. Sie werden auf dem Höhepunkt der Badesaison erwartet. »Sturzbäche reißen dann alles mit, was am Rand liegt«, sagt Silivia Kostner. So gelangen auch Fäkalien und tote Tiere in die Badegewässer. »Für uns ist das ein Horrorszenario«, sagt Kostner.

Für die Spree hingegen ist dieses Szenario alltäglich. Während andere Städte ihre Flüsse auch für den Badebetrieb fit gemacht haben, hält Berlin an seiner Mischkanalisation fest. Nach starkem Regen laufen Überlaufmengen direkt in die Spree. »Selbst in der Ökohauptstadt werden ungeklärte Abwasser in den Fluss geleitet«, kritisiert der Landschaftsarchitekt Ralf Steeg. Gemeinsam mit der Technischen Universität hat er darum das Projekt »Spree2011« entwickelt: Große Behälter sollen im Fluss verankert werden, um die Überlaufmengen aufzufangen und in die Kanalisation zurückzuleiten. Der Bau funktioniere wie ein Legosystem und sei darum preisgünstig und beliebig erweiterbar.

Über Jahre hatte sich der Baubeginn verzögert. Nun hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung eine Frist bis zum 31. Mai gesetzt. »Wir haben noch zehn Tage«, sagt Steeg. »Ich bin guter Hoffnung. Von den zuständigen Behörden aus ist das System soweit klar.« Die Fertigstellung des Pilottanks soll dann lediglich drei Monate dauern. Berlinerinnen und Berliner dürfen also ab diesem Sommer auf ein Bad in der Stadtmitte hoffen – irgendwann einmal.

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