Blockieren und Inszenieren

Während es der Massenprotest gegen Stuttgart 21 bis ins Theater schaffte, versucht sich der verbliebene Widerstand nun an Grün-Rot

  • Von Barbara Martin, Stuttgart
  • Lesedauer: ca. 5.0 Min.

Es ist 5.30 Uhr, als sich gestern Morgen ein – freundlich geschätzt – 200-köpfiger Haufen im Stuttgarter Schlossgarten auf den Weg macht. Die Frauen und Männer, die der orangefarbenen Fahne mit der Aufschrift »Aussitzen!« folgen, wollen eine Stuttgart 21-Baustelle blockieren. »Baustopp selber machen!« lautet das Motto der ersten mehrtägigen Sitzblockade, die der neuen grün-roten Landesregierung signalisieren soll, dass der Widerstand gegen Stuttgart 21 lebt.

Profil zeigen – der Widerstand gegen Stuttgart 21 hat es nach dem Regierungswechsel von Schwarz-Gelb zu Grün-Rot sichtlich schwer. An dem Milliardenprojekt wird permanent weiter gebaut. Der politische Streit ist noch nicht entschieden. Seit gestern blockieren Aktivisten die Zufahrt zu einer Baustelle. Fotos: dpa/ Franziska Kraufmann

Mehr als 460 Blockierer waren angekündigt. »So viele haben sich im Internet angemeldet«, erklärt Matthias von Hermann, Sprecher der Parkschützer – jener Widerstandgruppe, die sich im Winter nicht an der Schlichtung von Heiner Geißler beteiligt hatte. Dass nun am frühen Morgen sehr viel weniger Menschen am Bauzaun erscheinen, enttäuscht von Hermann. Schließlich hatte man großen Aufwand betrieben, um für den – noch nicht abgerissenen – Südflügel des Hauptbahnhofes ein kraftvolles Zeichen zusetzen.

Seit Freitagnachmittag hatte man sich im Stuttgarter Norden auf dem Gelände einer Biogärtnerei vorbereitet. In der Zeltstadt konnte man erfahren, wie die neue politische Gemengelage und die Pläne für Stuttgart 21 aussehen. In Workshops wurde Sitzblockade geübt, man erfuhr Näheres über »Guerilla TV und Internetaktivismus«, konnte sich an der »Clownsarmee« beteiligen und mit Osho die »Meditationstechnik für Rebellen« erlernen. Konstantin Weck...

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