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Stromnetzbetreiber befürchten Engpässe

Atomkraftgegner kritisieren Panikmache

  • Von Felix Werdermann
  • Lesedauer: 2 Min.

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Bleiben die acht abgeschalteten Reaktoren auch nach dem »Atom-Moratorium« vom Netz, könnte der Strom im Winter knapp werden. Das behaupten die Übertragungsnetzbetreiber, die teilweise den Atomkonzernen selbst gehören.

Stromausfälle gab es nicht, als der Energiekonzern RWE am Wochenende sein Atomkraftwerk Emsland in Lingen zur routinemäßigen Sicherheitsüberprüfung abgeschaltet hatte. Auf einmal lieferten in ganz Deutschland nur noch vier der insgesamt 17 Reaktoren Strom.

Die Praxis hat damit die Unkenrufe der Atomindustrie widerlegt: Die deutschen Reaktoren sind nicht zwingend notwendig für die Energieversorgung, derzeit mindert auch die Solarenergie die Gefahr eines »Blackouts«.

Weil die AKW-Betreiber aber trotzdem gerne weiter Geld verdienen möchten, malen sie nun ein Schreckensszenario für den Winter an die Wand. Wenn die derzeit abgeschalteten Reaktoren auch nach dem von der Bundesregierung verhängten »Moratorium« stillstünden, »könnte sich in Süddeutschland an einigen sehr kalten Wintertagen mit geringer Windeinspeisung in Norddeutschland ein Defizit an gesicherter Erzeugunsleistung ergeben«, heißt es in einer Mitteilung der vier großen Übertragungsnetzbetreiber, von denen zwei den AKW-Betreibern gehören. Die EnBW Transportnetze AG gehört zum EnBW-Konzern, der Netzbetreiber Amprion ist eine Tochtergesellschaft von RWE.

Unter ungünstigen Umständen sei an manchen Wintertagen »eine ausreichende Versorgungssicherheit im Süden Deutschlands nicht mehr gewährleistet«, schreiben die Netzbetreiber. Deutschland wäre dann auf Stromimporte angewiesen, »deren grundsätzliche Verfügbarkeit nicht gesichert ist«.

Atomkraftgegner halten die Befürchtungen jedoch für übertrieben. Jochen Stay von der Initiative »ausgestrahlt« sagt, die Prognosen seien »interessengeleitet und mit Vorsicht zu genießen«. Selbst wenn es zu Engpässen komme, könnte Deutschland zusätzlichen Strom aus dem Ausland beziehen, der europäische Verbund sei »genau dafür« ausgelegt. Den Netzbetreibern warf er vor, sie würden »Politik mit der Angst vor fehlender Weihnachtsbeleuchtung in den Einkaufsmeilen« machen.

Auch die Bundesnetzagentur gibt Entwarnung: In einem Bericht aus dem letzten Monat heißt es, im kommenden Winterhalbjahr bestehe nach ersten Analysen »ein ausreichend erzeugunsseitiges Versorgungssicherheitsniveau« – auch ohne zusätzliche Importe. »Ein etwaiger Puffer für zusätzliche Stilllegungen von Kraftwerkskapazitäten besteht derzeit jedoch nicht.« Weitere Abschaltungen sollten daher mit einem »planerischen Vorlauf versehen« werden.

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