Holger Reile, Konstanz 04.06.2011 / Politik

Der Konstanzer »Gammlermord«

1970 rief am Bodensee ein NPD-Mann nach Bürgerwehren gegen »Asoziale«. Trotz eines Toten blieb der Stichwortgeber im Stadtrat

Im kommenden August wird das Konstanzer Bodensee-Stadion wohl erneut aus allen Nähten platzen. Seit rund 25 Jahren findet dort das längst etablierte Musikfestival »Rock am See« statt, 25 000 Besucher werden erwartet. Konstanz freut sich auf die meist jugendlichen Festivalbesucher und die Stadt wirbt auch überregional mit dem Musikevent, das neben dem Seenachtsfest längst zum sommerlichen Highlight der Bodenseemetropole geraten ist. Doch so war das nicht immer – ein Rückblick.

Samstag, 29. August 1970: Der Tankstellenlehrling Martin Katschker (17) trifft sich mit Freunden am Konstanzer Blätzleplatz. Plötzlich kommt ein Mann auf ihn zu, drückt ihm einen Hasentöter auf die Brust und löst den Bolzen. Dreißig Minuten später ist Martin Katschker tot.

Konstanz kannte in den Wochen davor nur ein Tagesgespräch: »Gammler« in der Stadt! Schnell wurden die harmlosen Hippies zum Feindbild erklärt, und die Stimmung kochte hoch. Anlass war ein zweitägiges Popkonzert, das Mitte Juli 1970 im Konzil stattgefunden hatte. Am 20. Juli wollte Walter Eyermann, damals Stadtrat der rechtsradikalen NPD, in einer Gemeinderatssitzung wissen, »ob die Verwaltung bereit ist, den Gammlern das Konzil für weitere Veranstaltungen dieser Art zu sperren«. Und an den damaligen Oberbürgermeister Bruno Helmle stellte er die Frage, »welche Maßnahmen die Stadt durchführen will, um den Stadtgarten von diesen Figuren zu räumen«.

Eyermann hatte ...

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