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Kuhhandel mit Kamelen

Kommentar von Ingolf Bossenz

Tod macht erfinderisch. Das zeigte jetzt das australische Kohleunternehmen Northwest Carbon. Es präsentierte die Idee, von Hubschraubern aus Hunderttausende wilde Kamele abzuschießen – und als Belohnung sogenannte CO2-Zertifikate zu kassieren. Mit diesen Freibriefen zur Umweltverschmutzung könnte der Konzern dann seine eigene Ökobilanz aufpolieren. Die Dromedare waren im 19. Jahrhundert von Siedlern als Lasttiere nach Down Under gebracht worden und später in die freie Wildbahn entlassen worden. Dies führte zum unkontrollierten Anwachsen der Kamelpopulation, die heute nach Schätzungen bei über einer Million Tieren liegen soll – eine große Belastung für das Ökosystem des Kontinents. Diese Folgen menschlichen Versagens müssen – natürlich – die Tiere mit ihrem Leben bezahlen. Wobei der Abschuss von Hubschraubern aus weder als Idee noch als Praxis neu ist. Neu ist die Kopplung der Massentötung mit dem Emissionshandel. Das australische Amt für Klimaschutz und Energieeffizienz hat die Anregung bereits in ein Strategiepapier einfließen lassen. Immerhin produziert ein Kamel pro Jahr rund 45 Kilo Methan. Allerdings stoßen Rinder fast die doppelte Menge dieses Gases aus. Und deren Gesamtzahl wächst unablässig weiter. Trotz alljährlicher millionenfacher Massentötungen – auch hierzulande.

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