Anwohner wollen ihren Kiez behalten

Mit Spaziergängen und Diskussionsveranstaltungen soll die Verdrängung in Berlin gestoppt werden

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Mit vielfältigen Informationsveranstaltungen versuchen engagierte Anwohner die Verdrängung finanziell Schwacher aus Berlin-Neukölln aufzuhalten.
»Stillleben« auf dem Straßenfest im Schillerkiez im vergangenen Sommer
»Stillleben« auf dem Straßenfest im Schillerkiez im vergangenen Sommer

Die Baugerüste wandern von einem Haus zum nächsten und fast jede Woche eröffnet nahe dem U-Bahnhof Boddinstraße ein neues Café. Im an das Tempelhofer Feld grenzenden Kiez geht die Angst vor Verdrängung um. Der sogenannten Gentrifizierung versucht vor allem die Stadtteilgruppe im Schillerkiez in Berlin-Neukölln entgegen zu treten.

Regelmäßig lädt die Initiative zu Anwohnerversammlungen ein, wie zuletzt anlässlich der Veröffentlichung des neuen Mietspiegels für die Hauptstadt. Unterstützung holte sich die Gruppe dabei von der Berliner Mietergemeinschaft. In den vergangenen Monaten gab es bereits ähnliche gemeinsame Informationsveranstaltungen zum Umgang mit Betriebskosten oder Modernisierung.

Um die Anwohner über aktuelle Entwicklungen zu informieren, organisiert die Stadtteilgruppe, die sich jeden Donnerstag im Infoladen »Lunte« trifft, zudem regelmäßig zu Kiezspaziergängen. Zuletzt wurden ungefähr 50 Interessierte am Pfingstmontag durch die kopfsteingepflasterten Straßen Nordneuköllns geführt. Gezeigt wurde etwa ein halb verfallener Altbau, den der Hausbesitzer zu »entmieten« versucht, um ihn ohne Anwohner zu einem höheren Preis verkaufen zu können. Eine weitere Station war eines der als »Problemhäuser« durch die Presse geisternden Wohnhäuser in der Okerstraße. Bis zu 15 Roma hätten sich dort eine Einraumwohnung geteilt. Doch am Montagnachmittag war davon nichts zu sehen oder zu hören. Ein Anwohner aus dem Hinterhaus berichtete vielmehr von angekündigten Baumaßnahmen. »Nach dem Einbau einer Zentralheizung soll eine Wohnung mit 40 Quadratmetern 380 Euro warm kosten. Das wäre für viele hier nicht mehr bezahlbar«, so der junge Mann.

In den Häusern Neuköllns tut sich aber noch mehr. Seit März diesen Jahres gebe es immer mehr neue Kneipen und Cafés, berichtet die Stadtteilgruppe. »Wir haben nichts gegen neue Läden«, verteidigte ein junger Mann seine Kritik gegenüber den neuen Wirten. Viele Gaststätten hätten lange leer gestanden. Nun scheinen die hohen Mieten aber kein Problem mehr zu sein. Ein paar Zuhörer reagieren darauf mit Unverständnis. »Es ist doch gut, dass hier etwa neues entsteht. Wollt ihr, dass weiter alles leer steht?« fragt ein Zuhörer in die Runde.

Der Spaziergang endete auf dem Tempelhofer Feld, wo mit dem Stadtteilgarten ein weiteres Projekt von und für Anwohner entstanden ist. Im Rahmen einer vom Senat ausgeschriebenen Pioniernutzung soll die bereitgestellte Fläche von 1000 Quadratmetern in den nächsten drei Jahren als Treffpunkt für die Nachbarschaft für das Erwerbslosenfrühstück genutzt werden. Einige Beete und Sitzecken sind bereits aufgebaut worden.

»Hier in Neukölln verschärft sich die Situation zunehmend«, meint der ebenso beim Kiezspaziergang anwesende Joachim Oellerich von der MieterGemeinschaft. »Von den Parteien ist in Sachen Wohnungsbau nicht viel zu erwarten«, so Oellerich. Daher stehe er in engem Kontakt zu außerparlamentarischen Gruppen. In Anlehnung an das Hamburger Netzwerk »Recht auf Stadt« müsse auch in Berlin mehr Austausch stattfinden. In dem Berliner Bündnis »Steigende Mieten stoppen!« sind inzwischen neun lokale Organisationen vertreten.

Die Initiativen im Schillerkiez werden inzwischen auch außerhalb verfolgt. So wird heute in der Kneipe »Tristeza« im benachbarten Reuterkiez über den Einfluss des vom Senat finanzierten Quartiersmanagements, das die Entwicklung des Kiezes voranbringen soll, diskutiert. Denn zusammen mit dem Bezirksamt und der Polizei werde im Schillerkiez gezielt versucht, Roma, Nicht-Deutsche und »Trinker« zu verdrängen. »Ich denke aber, dass sich mit stärkerer Öffentlichkeit und Vernetzung noch einiges im Schillerkiez aufhalten lässt«, sagt Anna Junge vom »Tristeza«.

»Solidarität statt Quartiersmanagement« – Diskussion in Berlin am 15.Juni, 19 Uhr, »Tristeza« Pannierstr. 5, www.tristeza.org.

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