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Klasse gegen Klasse

  • Von Brigitte Schumann
  • Lesedauer: 2 Min.
Karikatur: Christiane Pfohlmann
Karikatur: Christiane Pfohlmann

Die UNESCO hat die Inklusion seit der Weltkonferenz von Salamanca 1994 zum Gegenstand ihrer weltweiten Bildungskampagne gemacht. Inklusiv ist nach ihrem Verständnis unser Schulsystem erst dann, wenn nicht nur alle Barrieren fallen, die Kinder mit Behinderungen von Kindern ohne Behinderungen trennen. Auch Barrieren innerhalb des allgemeinen Schulsystems müssen überwunden werden.

Mit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention hat sich Deutschland verpflichtet, ein inklusives Schulsystem zu entwickeln. Warum orientiert sich rote wie grüne Bildungspolitik am Modell der Zweigliedrigkeit und nicht an dem Auftrag der Inklusion? Warum wird das Menschenrecht auf inklusive Bildung nachrangig behandelt und dem Erhalt des Gymnasiums untergeordnet?

Kein geringerer als Winfried Bos, Leiter des Instituts für Schulentwicklungsforschung an der Universität Dortmund, hat vor zwei Jahren in einem Interview mit der »Süddeutschen Zeitung« wissen lassen, dass wir in Deutschland »eine schlagkräftige, sehr rührige und kampagnenfähige Mittelschicht« haben, »die alles dafür tut, dass das Gymnasium nicht abgeschafft wird«. Mit zynisch wirkender Offenheit hat er hinzugefügt: »Seien Sie doch ehrlich, Sie und ich würden auch alles dafür tun, dass unsere Kinder auf ein Gymnasium gehen und nicht mit den Schmuddelkindern spielen. Und eine Partei, die das Ende des Gymnasiums fordert, würde nicht wiedergewählt werden. Deshalb wird es dazu nie kommen. So einfach ist das.«

So einfach? Jedenfalls hilft ein Zitat wie dieses zu erklären, warum selbst unter Rot-Grün oder Grün-Rot die für Deutschland rechtsverbindlich geltende Verpflichtung zur Verwirklichung eines inklusiven Schulsystems, das allen die gleichen Möglichkeiten gibt, an qualitativ hochwertiger Bildung teilzuhaben, den Lobbyinteressen des Gymnasiums untergeordnet wird.

Die Autorin ist Publizistin und Bildungsjournalistin.

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