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König Marillus und Prinzessin Aprikosia

Die Marille gilt als Wachauer Genussbotschafter, der alljährlich im Juli zahlreiche Feste gewidmet werden

Prall und orange laden die süßen Früchtchen im Juli zum Naschen ein.
Prall und orange laden die süßen Früchtchen im Juli zum Naschen ein.

Die Marille, die österreichische Bezeichnung für Aprikose, ist eine ganz besonders köstliche Botschafterin der Wachau. Hier, in einer der schönsten Kulturlandschaften Europas, die sich beiderseits der Donau über 33 Kilometer von Melk nach Krems erstreckt, gedeihen mehr als 100 000 Marillenbäume. Das Zusammentreffen zweier Klimazonen, der pannonischen mit ihren warmen Winden von Osten, und der nördlichen, die kühlere und sauerstoffreichere Luftmassen bringt, prägt den besonders aromatischen Geschmack der Frucht. Die süße und pralle Wachauer Marille genießt als Begriff und Produkt seit 1996 EU-Schutz. Ein Gütesiegel, das eine typische Wachauer Marillenzistel, den schmalen, nach unten spitz zulaufenden Pflückkorb, zeigt und die Inschrift »Original Wachauer Marille« trägt, schützt die Frucht aus dem Weltkulturerbetal an der Donau vor der Konkurrenz vor allem aus südosteuropäischen Ländern. Ursprünglich aus China stammend gelangten die ersten Marillensämlinge wohl schon im 1. Jahrhundert in das Gebiet der heutigen Wachau.

Marillenbauer Harald Aufreiter schwört auf die Geruchsprobe als Gütekontrolle.
Marillenbauer Harald Aufreiter schwört auf die Geruchsprobe als Gütekontrolle.

Zu denen, die sich dem Schutz der Wachauer Marille verschrieben haben, gehört Harald Aufreiter aus Krems Angern. In seinem Hofladen verkauft er die Produkte, die aus den Früchten seiner rund 600 Marillenbäume und der anderer Produzenten hergestellt werden: Säfte, Konfitüren, Schokoladen, Obstbrände. Rund 50 000 Kilogramm der süßen Früchte hat er im vergangenen Jahr verarbeitet.

Harald Aufreiter empfiehlt als Gütekontrolle eine Riechprobe. »Unsere Marillen«, so ist er sich sicher, »haben einen ganz speziellen Duft.« Weltweit gebe es etwa 250 verschiedene Sorten, erzählt er, aber die Marillenbäume aus der Wachau ließen sich auf wenige Arten zurückführen. Wenn es im Juli zur »Aug- und Genussreife« kommt und die Wachauer Marille an vielen bunten Straßenständen zum Kauf angeboten wird, kämen die Interessenten und Liebhaber aus allen Himmelsrichtungen – viele auch aus Deutschland – und kauften oft ganze Stiegen der köstlichen gelb-orangefarbenen Früchte.

Obwohl oder gerade weil sie weggehen wie warme Semmeln macht sich der Marillenbauer Sorgen um die Zukunft. Der Baumbestand ist überaltert, müsste dringend erneuert werden und zwar um mindestens 5000 bis 8000 Bäume jährlich. Zusammen mit Spezialisten aus Wien hat er 20 alte und bewährte Sorten zusammengetragen, die jetzt weiter vermehrt werden sollen. Dafür werden in Österreich drei Sortengärten für die Züchtung eingerichtet. Harald Aufreiter denkt auch über eine flächenmäßige Ausdehnung der Marillenbestände nach, zum Beispiel durch die Gründung von Genossenschaften.

Seine Frau Katharina, eine ausgebildete Lehrerin, hat derweil ein Kinderbuch »Lilli Marilli sucht ein Zuhause« geschrieben, das, wie kann es anders sein, sich ebenfalls um die Marille sowie die Geschichte der Wachau und ihrer tierischen Bewohner dreht. Der reich illustrierte Text ist verbunden mit kleinen Aufgaben, die sich aus der Lektüre ergeben.

Wer sich selbst auf die Spuren der Wachauer Lieblingsfrucht machen will, dem empfiehlt Harald Aufreiter eine Wanderung auf dem vier Kilometer langen Marillenweg, der durch das enge Donautal führt..

Im Sommer dreht sich in der Wachau alles um die Marille. Im Haupterntemonat, wo die vollreifen Früchte in Handarbeit, vor allem durch Gastarbeiter aus Rumänien, gepflückt werden, finden hier auch viele Feste rund um das Obst statt. Beim traditionellen Marillenkirtag in Spitz, der in diesem Jahr vom 22. bis 24. Juli stattfindet, können die Besucher Marillenknödel, Marillenbowle oder Marillenbrand probieren. Programmhöhepunkt der dreitägigen Feiern ist der Festumzug von König Marillus und Ihrer Hoheit, Prinzessin Aprikosia, die auch die Goldene Marille an besonders verdienstvolle Obstbauern verleihen. In Krems findet das Fest »Alles Marille« statt. Da kann man zusehen, wie der Marillenzistel geflochten oder wie Marillenmarmelade gekocht wird.

Ein Bericht über die Wachau, erstmals 830 als Wahowa erwähnt, wäre unvollständig, ohne die an den steilen Hängen beiderseits der Donau seit über 1000 Jahren angebauten Weine zu erwähnen. Der Fluss, der sich hier im Laufe der Zeit 400 Meter tief eingegraben hat, bestimmt mit seinen Urgesteinsterrassen und den durch Gneis, Marmor, Graphit und anderen Mineralien charakterisierten Böden, die Unverwechselbarkeit seiner Trauben.

  • Infos: Donau Niederösterreich Tourismus GmbH, 3620 Spitz an der Donau, Schlossgasse 3; Tel.(0043) 2713 300 60 60, Fax: -30; E-Mail: urlaub@donau.com; www.donau.com oder www.austriatourism.at
  • Übernachten: Weinhof und Marillenbauer Aufreiter, Dorfstraße 34, 3506 Krems-Angern, Tel.: (0043) 27 39 22 05, E-Mail: willkommen@weinhof.at, www.weinhof.at
  • Weinwanderweg: www.marillenweg.at
  • Literatur: Wachauer Marille, 112 Seiten mit 50 Rezepten, ISBN 978-3-7020-1254-0, 19,90 €; das Kinderbuch »Lilli Marilli sucht ein Zuhause«, 9,50 € kann über www.weinhof.at bestellt werden.

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