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Zahl der Drogentoten weiter gesunken

Hilfsorganisationen befürchten hohe Dunkelziffer / Einrichtung einer neuen Fixerstube rückt näher

  • Von Anja Sokolow, dpa
  • Lesedauer: 2 Min.

In Berlin ist die Zahl der Drogentoten erneut gesunken und hat den niedrigsten Wert seit Jahren erreicht. Von Januar bis Mai 2011 starben 36 Männer und acht Frauen, sagte die Sprecherin der Senatsverwaltung für Gesundheit, Regina Kneiding. 2010 waren es in diesem Zeitraum 44 Männer und zwölf Frauen. In den Vorjahren habe sich die Zahl der Toten nach den ersten fünf Monaten jeweils um 60 bis 80 bewegt, erklärte Kneiding.

An diesem Donnerstag erinnern Eltern und Angehörige in Berlin-Kreuzberg an verstorbene Drogenabhängige. Veranstaltet wird die bundesweite Aktion in Berlin vom »Initiativkreis 21. Juli«, einem Zusammenschluss verschiedener Vereine. Der Gedenktag geht auf den Tod eines 26-jährigen Drogenabhängigen in Nordrhein-Westfalen 1994 zurück.

Die Berliner Aidshilfe, die Deutsche Aidshilfe sowie weitere Vereine wollen mit 124 Silhouetten und Namen an die Drogentoten erinnern. Außerdem werden sie ab 12 Uhr auf dem Oranienplatz für eine Änderung der Drogenpolitik demonstrieren. Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (LINKE) hat die Schirmherrschaft für den Gedenktag in Berlin übernommen.

Aus Sicht der Berliner Aidshilfe ist die Zahl der Drogentoten noch immer »inakzeptabel hoch«. »Die Dunkelziffer dürfte weitaus höher liegen«, heißt es in einer Mitteilung des Vereins. Er beklagt unter anderem »eine Vertreibung und Kriminalisierung von Drogenkonsumenten«. Zumindest ein sauberer Raum, in dem die Abhängigen ihre Drogen konsumieren können, ist jetzt wieder in Sicht. Ende des Jahres soll dieser in einer ehemaligen Schule in der Reichenberger Straße in Kreuzberg eröffnen. Betreiber ist der Verein Fixpunkt, der seit der Schließung der ehemaligen Fixerstube am Kottbusser Tor nur provisorisch mit Fixpunkt-Mobilen im Einsatz ist.

Der neue Drogenkonsumraum solle Abhängigen einen Infektionsschutz vor Krankheiten wie HIV und Hepatitis bieten, aber auch Eingangstür ins Hilfesystem sein, erklärte Martin Hilckmann vom sozialen Wohnprojekt ZIK. Dieses hat die Kreuzberger Schule vom Liegenschaftsfonds gekauft und baut darin ein Gesundheits-und Suchthilfezentrum auf. Sozialarbeiter stünden für Beratungen zur Verfügung, erklärte Hilckmann.

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