Werbung

Klassenziel verfehlt

Nach nur einem Jahr gelingt es der rot-grünen Landesregierung in Nordrhein-Westfalen, alle Ansätze eines inklusiven Schulmodells bis zur Unkenntlichkeit zu zerlegen. In die Sommerpause hinein haben sich diese Woche SPD und Grüne gemeinsam mit der CDU für die Errichtung einer Sekundarschule ausgesprochen, die doch nur als eine weitere Schulform neben Gymnasium, Haupt- und Realschule sowie Gesamtschule zur Mehrgliedrigkeit des Schulsystem beiträgt. So wird auf die Oberstufe und damit die Möglichkeit eines Abiturs verzichtet. Anstelle dessen kommen Kooperationen mit Gymnasien. In Klasse fünf und sechs soll der Unterricht integrativ auf Gymnasialniveau erfolgen, ab Klasse sieben wird sich der Lehrplan an dem für Gesamt- und Realschule orientieren. Ab dann steht den Schulen frei, integrativ oder nach Bildungsgängen getrennt zu unterrichten. Zwölf Jahre soll dieser »Schulkonsens« währen.

Medienaufmerksamkeit ist der Minderheitsregierung gewiss, muss sie sich doch dringend als kompromissfähig mit der CDU erweisen. Und die CDU punktet mit einem »kompromissfähigen« Norbert Röttgen. »Planungssicherheit« ist derzeit hoch im Kurs und in der Tat erforderlich. Doch damit erschöpft sich der Output dieses Unterfangens. Weder stellt es einen Kompromiss dar, noch kann ein Demokratiegewinn ausgemacht werden. Der Schulpolitik ist nicht wirklich geholfen. Über Disziplinen hinweg weisen wissenschaftliche Erkenntnisse mehrheitlich einer inklusiven Lernform die besten Entwicklungschancen für alle Begabungen nach. Planungssicherheit erfährt man durch Beteiligung der Akteure. Hier aber fehlt die Partizipation von Eltern und Lehrern. Ebensowenig wurde die Linkspartei, als parlamentarischer Akteur, ins Boot geholt. So muss man den Bodensatz für einen Kompromiss mit der Lupe suchen. Rot-Grün straft seine eigenen Wahlausagen Lügen und erweist sich selbst einen Bärendienst. Weh' den Wahlkämpfen, die da kommen.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln