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Wackeliger Stuhl

Kommentar von Ingolf Bossenz

Nein, so weit, dem Heiligen Stuhl selbigen vor die Tür zu setzen, ging es denn doch nicht. Immerhin hatte die irische Regierung vergangene Woche dessen Botschafter, den Apostolischen Nuntius, einbestellt. Anlass war ein weiterer Bericht – der vierte inzwischen – über das jahrzehntelange Vertuschen des sexuellen Missbrauchs tausender Kinder durch katholische Kleriker. Aus dem diesmal das Bistum Cloyne betreffenden Report geht hervor, dass die römische Zentrale maßgeblich dazu beitrug, die Verbrechen im Dunkel zu halten. Die öffentliche Unbeflecktheit der Una Sancta stand an erster Stelle. Irlands Premier Enda Kenny nannte diese Strategie »absolut schändlich«. In einer Sondersitzung des Parlaments in Dublin zum neuen Missbrauchsbericht warf der Regierungschef dem Vatikan vor, die Vergewaltigung von Kindern herunterzuspielen, um Macht und Reputation der Institution Kirche nicht zu beschädigen.

Damit hat der Missbrauchsskandal, den viele für abgeklungen hielten, die katholische Kirche erneut eingeholt. Zweifellos haben deren zentrale und nationale Verantwortliche inzwischen eine Menge getan, um Schuld aufzudecken, Leid zu lindern und Vorsorge gegen Wiederholung zu treffen. Der Antrieb dafür war indes erst die öffentlich-mediale Skandalisierung. Deshalb steht der Heilige Stuhl weiter auf wackeligen Beinen.

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