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Schutz für Pfeifer

Kommentar von Markus Drescher

Whistleblowing, wörtlich übersetzt »Pfeife blasen«, steht für Alarmschlagen, auf Missstände aufmerksam machen. Eigentlich eine durchweg gute Sache, sollte man meinen, wenn Arbeitnehmer auf Gefahren, unhaltbare Zustände und Rechtsverletzungen in ihren Betrieben aufmerksam machen. Sollte man meinen. Denn so sehr davon Betroffene und die Allgemeinheit profitieren können, wenn ein Arbeiter pfeift, so übel kann dies für ihn selbst enden. Derartige Geräusche sind nicht gern gehört – nicht von den betroffenen Unternehmen, nicht von Arbeitsrichtern –, und so kommt Engagement gegen Missstände in Unternehmen in Deutschland einem Abpfiff fürs Arbeitsverhältnis gleich.

Ein gesetzlicher Schutz für Whistleblower ist nicht erst seit dem gestrigen Urteil überfällig. Mit jedem Lebensmittel- oder Datenschutzskandal der letzten Jahre wurde die Diskrepanz zwischen Reden und Handeln der politisch Verantwortlichen deutlich: auf der einen Seite immer wieder das Lamentieren über kriminelles Handeln, von dem man (angeblich) nichts wusste. Auf der anderen Seite keinerlei Bemühungen, die Voraussetzungen zu schaffen, dass sich mehr Lohnabhängige trauen, ihr Wissen preiszugeben, ohne Repressalien fürchten zu müssen. Whisteblowing hat nunmal nichts mit dem Verrat von Betriebsgeheimnissen zu tun. Ein Beispiel: Gammelfleisch ist eine Gefahr für die Gesundheit und keine schützenswerte Geheimrezeptur.

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