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Berufsunfähigkeitsversicherung ein absolutes Muss

ND-Serie: Welche Versicherungen Sie wirklich brauchen (Teil 15)

Die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) ist eigentlich für die meisten Beschäftigten sinnvoll. Doch sie ist eine der teuersten Versicherungen. Unbeliebt, aber notwendig ist sie für die U-51-Jährigen.

Falsch: »Ich habe doch schon eine Unfallversicherung. Ich brauche keinen weiteren Vertrag.« Richtig: Die Unfallversicherung zahlt nur bei einem Unfall. Für die Folgen von Krankheiten wie Allergie, Bandscheibenvorfall oder psychischen Problemen kommt sie nicht auf.

Verbraucherschützer sind sich daher nahezu einig, dass die Berufsunfähigkeitsversicherung ein absolutes Muss darstellt. Dennoch haben lediglich 25 Prozent der Haushalte entsprechende Vorsorge getroffen. Die Verbraucherzentrale NRW macht als einen Hauptgrund die schwer zu vergleichenden Konditionen und die komplizierten Vertragsbedingungen aus.

Das Risiko, berufsunfähig zu werden, wird von vielen Menschen unterschätzt. Tatsächlich scheidet jeder vierte Beschäftigte bereits vor dem Erreichen seines normalen Rentenalters aus dem Berufsleben aus. »Schuld« daran ist in neun von zehn Fällen eine Erkrankung oder ein Unfall. Das ist für jeden Betroffenen schlimm genug, doch ein Verlust der Arbeitskraft durch Berufsunfähigkeit hat obendrein noch schmerzhafte finanzielle Folgen.

Wer durch ein Unglück berufsunfähig wird, sollte von der Gesetzlichen Rentenversicherung nicht allzu viel erwarten, und selbst eine zusätzliche private Unfallversicherung deckt in der Regel nicht das Existenzrisiko vollständig ab. Dennoch stehen rund 90 Millionen Renten- und Lebensversicherungsverträgen und etwa 30 Millionen Unfallversicherungsverträgen in Deutschland nur weit weniger als 20 Millionen Abschlüsse einer Berufsunfähigkeitsversicherung gegenüber. Deutschlands Lohnabhängige sind damit dramatisch unterversichert.

Versorgungslücke schließen

Besonders dringlich ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung für Zeitgenossen, die nach dem 1. Januar 1961 geboren wurden. Dieser Gruppe der heute U-51-Jährigen strich einst die rot-grüne Bundesregierung den bis dahin gültigen gesetzlichen Berufsunfähigkeitsschutz. Zugleich kürzte die damalige Schröder-Regierung den Schutz von älteren Erwerbstätigen von 66 Prozent auf nur noch 50 Prozent des Einkommens.

Diese Lücke kann eine zusätzliche private Berufsunfähigkeitsversicherung schließen helfen. Sie zahlt im Fall der Fälle zusätzlich zu Sozialrenten oder anderen Versorgungsbezügen eine monatliche Rente. Voraussetzung ist, dass der Versicherte durch Krankheit oder Unfall in dem vertraglich festgelegten Umfang berufsunfähig wird (in der Regel ab 50 Prozent) und er also seinen Beruf voraussichtlich »auf Dauer« nicht mehr ausüben kann.

Trotz des fehlenden gesetzlichen Schutzes wird das Risiko häufig unterschätzt. Ohne eine private Berufsunfähigkeitsversicherung bleibt den Betroffenen im Notfall häufig nur die niedrige gesetzliche Erwerbsminderungsrente. Die Konsequenzen können bitter sein: So zahlt der Staat einem 40-jährigen Familienvater aus Karlsruhe mit einem monatlichen Bruttoeinkommen von 5000 Euro im Falle einer vollständigen Berufsunfähigkeit unter 1000 Euro.

Bei der Wahl einer Berufsunfähigkeitsversicherung sollte zunächst die Qualität des Angebots im Vordergrund stehen, denn die Policen bieten höchst unterschiedlichen Schutz. Aber nicht allein die genauen Vertragsbedingungen unterscheiden sich von Versicherung zu Versicherung erheblich, auch die Preise für den Versicherungsschutz weichen deutlich voneinander ab. So kann für einen 30-Jährigen ein Jahresbeitrag von rund 300 Euro bis zu 1400 Euro fällig werden.

In jedem Fall ist ein Versicherungsvertrag gegen Berufsunfähigkeit enorm teuer, und einige Berufsgruppen müssen sogar dermaßen hohe Beiträge zahlen, dass sich ein Schutzpaket für sie eigentlich nicht lohnt oder schlicht unbezahlbar ist. In jedem Fall zahlt es sich aus, den Berufsunfähigkeitsschutz nicht bei dem erstbesten Versicherer abzuschließen, sondern mehrere Angebote miteinander zu verglichen.

Unser Tipp

Selbst Schüler, Auszubildende, Studenten und Hausfrauen müssen über eine Berufsunfähigkeitsversicherung nachdenken. Der Abschluss sollte getätigt werden, solange man noch gesund ist, denn schon kleinere Leiden oder Erkrankungen können zur Ablehnung eines Antrages durch die Versicherungsgesellschaft führen oder den Preis enorm in die Höhe treiben.

Die Hürde Gesundheitsprüfung

Die höchste Hürde bildet die Gesundheitsprüfung. Das heißt: Der Versicherer stellt Fragen zu Vorerkrankungen und gesundheitlichen Problemen. Die Folge kann sein, dass der Versicherer den Kunden ablehnt und den gewünschten Schutz verwehrt, weil ihm das Risiko einer Berufsunfähigkeit zu hoch erscheint.

Doch Vorsicht: Schummeln ist riskant! Beim Ausfüllen des Antrags müssen grundsätzlich alle Fragen über den Gesundheitszustand wahrheitsgemäß und vollständig ausgefüllt werden. Wer falsche Angaben macht, riskiert später im Bedarfsfall möglicherweise seinen Versicherungsschutz.

Bei der Einholung eines Angebotes sollten Sie darauf achten, dass auf eine »abstrakte Verweisung« verzichtet wird. Ansonsten ist im Notfall eine »Verweisung« auf einen anderen Beruf möglich. Das heißt: Sie müssten dann auf Drängen der Versicherungsgesellschaft einen anderen Job annehmen, welcher durch Ausbildung, Erfahrung und Lebensstellung mit dem bisherigen irgendwie vergleichbar ist. Lehnen Sie im Notfall ein solches Angebot ab, zahlt die Versicherung nicht.

Weitere Tipps findet man im Internetangebot des Bundes der Versicherten unter www.bundderversicherten.de oder im aktualisierten Ratgeber der Verbraucherzentralen »Berufsunfähigkeit gezielt absichern« (12,90 Euro, erhältlich im Buchhandel). Auf rund 160 Seiten thematisieren die Autoren Teilaspekte rund um den Schutz der eigenen Arbeitskraft. So erfährt der Leser, was die Gesetzliche Rentenversicherung leistet und was bei der Ausgestaltung des Vertrages zu beachten ist. Auch wird Hilfestellung beim Durchsetzen eines Leistungsanspruchs gegeben.

Teil 16 in der nächsten Woche: die Rechtsschutzversicherung

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