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Fastnacht für Muslime

»Nächte des Ramadan« bieten breites Programm aus Musik, Film, Diskussion und Theater

  • Von Hansdieter Grünfeld
  • Lesedauer: 3 Min.

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Bombino aus Niger wird zu den besten Gitarristen Afrikas gezählt. Seinen Wüstenblues präsentiert er am 10.8. im Museum für Islamische Kunst.
Bombino aus Niger wird zu den besten Gitarristen Afrikas gezählt. Seinen Wüstenblues präsentiert er am 10.8. im Museum für Islamische Kunst.

Als neunter Monat des islamischen Mondkalenders gilt der Ramadan als Fastenzeit. Ausschlaggebend für Beginn und Ende dieser Zeitspanne, die sich jährlich um 11 Tage verschiebt, ist die Sichtung der Mondsichel (Al-Hilal) durch islamische Geistliche (Mullahs), die in diesem Jahr auf den 1. August fiel, und inschallah, also »so Gott will«, auf den 30. August fallen wird. In diesem Zeitraum ist Muslimen von Morgen- bis Abenddämmerung die Einahme von Speisen und Getränken sowie Geschlechtsverkehr und Tabakgenuss verboten. Ausgenommen von dieser Regelung sind Jugendliche unter 18 Jahren, Reisende und Kranke.

Als eine der fünf Säulen des Koran dient die Fastenzeit auch zur Aussöhnung von Streitigkeiten sowie zur Stärkung des Gemeinschaftsgefühls. Freunde und alleinstehende Nachbarn werden zum Fastenbruch (fitr) und zur Einahme des abendlichen Frühstücks (Iftar) in die Familien eingeladen, oder zu dem Fest »Eid-ul-Fitr«, das die Fastenzeit fröhlich und endgültig ausklingen lässt.

Berlin beheimatet eine große Anzahl muslimischer, vor allem türkischer Mitbürger. Mit der Veranstaltungsreihe »Die Nächte des Ramadan« kommt zum vierten Mal ein hervorragendes internationales Programmangebot auf die Bühnen von vier Veranstaltungsorten der Hauptstadt. Hier wird mit Musik, Film, Diskussionen und Theater die Zeit nach dem allabendlichen Fastenbruch kulturell begangen und gefeiert. Erfreulicherweise endet das Programm nicht am 30.8., sondern erst am 4.9.

Abgesehen von den »Berlin Sessions«, dem Berlin/Istanbul-Abend, dem Gastspiel des syrischen Oud-Virtuosen Hassan Abdul Fadl, oder des nigerianischen Gitarristen und Sängers Bombino, sei auf zwei Konzerte besonders verwiesen: Mit dem türkischen Duo Kudsi Erguner und Nuri Karedemirli kommen zwei Weltklasse-Interpreten zu Ton, die über ein Repertoire von islamisch geprägter Musik bis zum Jazz verfügen. Das Ney-Spiel Erguners, der schon auf dem JazzFest Triumphe feierte, lässt gleichviel klassisch arabischen Einfluss hören, wie er die Weite und Einsamkeit Anatoliens und damit auch die Gesänge der Aschiks – fahrender türkischer Musikanten – beschwört. Der international geschätzte Oud-Spieler Nuri Karademirli gründete bereits 1998 in Berlin das einzige Konservatorium für türkische Musik in Europa. Unterstützt von Musikern dieses Instituts dürfte dieser Duo-Auftritt innerhalb der Nächte des Ramadan zu einem eigenen Festival islamisch-türkischer Musik werden.

Noqre oder Sim heißt auf Farsi (Persisch) Silber, Simin ist das Silbrige. In Berlin lebt die gebürtige Iranerin Simin Sawatie, die ihren Vornamen ins lateinische Alphabet als Cymin überträgt. Vor Jahren hat sie die Gruppe Ciminology begründet, verschaffte sich aber auch als ausgezeichnete Jazzsängerin und als Kennerin der Dichtungen von Hafiz internationale Anerkennung. Mit dem Programm »Klangwelten zwischen den Kulturen« – in Zusammenarbeit mit dem Rebabspieler Larry Potter, oder Mitgliedern der Berliner Philharmoniker – wird auch persische Lyrik (und damit Hafiz) ins Programm kommen. Ob allerdings sein berühmter ironischer Ausspruch, »Ich fürchte, dass am Tag des jüngsten Gerichtes der Stiftbrotesser nicht leichter gewogen wird, als wir, die wir verbotenes Wasser (Wein) trinken«, von Cymin Sawatie zitiert werden wird, bleibt abzuwarten.

Der Besuch der Filme, deren Vorführung nicht mit einem Konzert gekoppelt wurde, ist gratis. Eine wahre Perle des frühen ägyptischen Kinos, entstanden 1940, muss hier unbedingt empfohlen werden. »Dananeer« heißt der Streifen, der die ägyptische Sängerin Um Kulthum in der Rolle eines armen Mädchens zeigt, das durch seine Stimme zu Weltruhm kommt. Persönliches Schicksal und Leinwandstory (siehe die Autobiografie »My Secrets« der großen Künstlerin Asiri) – hier kommt es zusammen. Um Kulthum verstarb 1965. Bis zu ihrem Tod hielt sie die Filmsongs in ihrem Repertoire.

Wie schon im letzten Jahr wird auch Schatten- bzw Tanztheater aus Indonesien gezeigt. Eigentlich buddhistisch geprägt, ist es interessant zu sehen, wie der Islam Inhalte und sogar Kostüme dieser Vorführungen beeinflusst hat.

Bis 4.9., diverse Orte und Zeiten, Infos unter der Tel.: (030) 31 861 40, kultur@piranha.de

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