Werbung

Dickes Minus an den Börsen

DAX fällt um fünf Prozent / Europäische Zentralbank kündigt Kauf von Staatsanleihen an

Keine Panik, aber erneut deutliche Verluste wegen der Herabstufung der US-Bonität und der Euro-Krise prägten am Montag das Bild an den Aktienmärkten.

Internationale Bemühungen um eine Beruhigung der Börsen haben am Montag eine befürchtete Panik verhindert. Die Finanzminister und Notenbankchefs der G7-Staaten erklärten am frühen Morgen nach einer Telefonkonferenz, die sieben führenden Industriestaaten wollten gemeinsam für ein Funktionieren der Märkte sorgen sowie Finanzstabilität und Wirtschaftswachstum stützen.

Bereits am Sonntagabend hatte die Europäische Zentralbank (EZB) angekündigt, ihr Programm zum Aufkauf von Staatsanleihen »aktiv umsetzen« zu wollen. Dabei geht es diesmal um Aufkäufe von Staatsanleihen Italiens und Spaniens, um deren Kurs zu stabilisieren. Ob die EZB bereits am Montag zu diesem Mittel griff, war zwar unklar. Aber die erwünschte Wirkung der Ankündigung wurde erzielt: Die Renditen zehnjähriger italienischer und spanischer Anleihen sanken deutlich.

An den Aktienmärkten prägten wieder dicke Minuszeichen das Bild. Der Deutsche Aktienindex fiel vor allem in den letzten Handelsstunden deutlich – um rund fünf Prozent. In den USA gaben die Kurse zu Handelsbeginn um gut zwei Prozent nach.

Derweil hielt die Debatte über weitere Maßnahmen der EU-Politik an. »Europa braucht eine integrierte Wirtschafts- und Finanzpolitik für die Eurozone und die rasche Einrichtung eines Marktes für Eurobonds«, sagte der Chef der Liberalen im Europaparlament, Guy Verhofstadt. »Staats- und Regierungschefs müssen aufhören, sich selbst damit zu täuschen, dass nationale und Stück-für-Stück-Lösungen genügen würden.« Bei Eurobonds handelt es sich um gemeinsame Anleihen der Euro-Länder, mit denen angeschlagenen Staaten Kredite zu günstigen Zinskonditionen bereitgestellt werden könnten. Insbesondere die Bundesregierung lehnt solche Eurobonds ebenso entschieden ab wie die Ausweitung des EU-Krisenfonds. »Es ändert sich überhaupt nichts gegenüber der Beschlusslage« vom Euro-Krisengipfel von Ende Juli, sagte Vizeregierungssprecher Christoph Steegmans am Montag in Berlin. Indes forderte FDP-Finanzexperte Frank Schäffler eine Sondersitzung des Bundestags, was auf Widerspruch bei der SPD stieß. Ein solcher Schritt könne zu zusätzlichen Irritationen auf den Finanzmärkten führen, so Parteichef Sigmar Gabriel.

In den USA kündigte Finanzminister Timothy Geithner an, weiter im Amt zu bleiben. Die Republikaner hatten wegen der Herabstufung der US-Bonität durch eine Ratingagentur dessen Rücktritt gefordert. Chinesische Staatsmedien übten erneut scharfe Kritik an den Staatsschulden von USA und EU. Die entwickelten Länder gefährdeten weltweit das Wirtschaftswachstum, »weil sie ihre Verantwortung nicht wahrnehmen«, schrieb die »Volkszeitung«, das offizielle Organ der KP. Trotz der Herabstufung der Kreditwürdigkeit stiegen die von Investoren verlangten Renditen auf US-Staatsanleihen am Montag nicht.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln