Der Traum vom schottischen Alleingang

Die Idee der Unabhängigkeit ist selten so real und so skeptisch diskutiert worden wie heute

  • Von Reiner Oschmann, Glasgow
  • Lesedauer: ca. 4.0 Min.

Die jüngsten Jugend-Randale in mehreren englischen Städten und die schweren sozialökonomischen Konflikte in ihrem Hintergrund haben selbstverständlich keinen direkten Bezug zu den wachsenden Unabhängigkeitsüberlegungen im Norden des Königreichs. Der Traum von wie auch immer gearteten schottischen Alleingängen dürfte dadurch jedoch kaum schwächer werden. Im Gegenteil.

Eilean Donan Castle, 1220 in den westlichen Highlands erbaut, gilt als meistfotografiertes Motiv des Landes.

Schottland hat etwas von Dr. Jekyll und Mr. Hyde, den Figuren des schottischen Schriftstellers Robert Louis Stevenson (1850-1894). Die Nation im britischen Norden mit rund fünf Millionen Einwohnern – weniger als London – erinnert zu Recht an Unterdrückung durch die Engländer und liebt sich als Opfer.

Die andere Seite trifft man ebenso oft: ein Gefühl der Überlegenheit. »Scotland the brave« – Schottland, das tapfere, das nie unterzukriegen ist. Es handelt von Erfindergeist, von Widerstand und Patriotismus, sichtbar in der Anhänglichkeit vieler Auslandsschotten an die Heimat und der gut vermarkteten Gewissheit: »You can take the boy out of Scotland, but you can’t take Scotland out of the boy« – Sie können den Jungen aus Schottland holen, aber nie Schottland aus dem Jungen.

Der Schotte ist praktisch, beweglich und hat ein großes Herz für Folklore. Der Scotch hat daran einen größeren Anteil, als es die zehntausend direkt in der Whisk...

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