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Ernst gemeintes Spiel

Maler Carl Marx, vor 100 Jahren geboren

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Die bildende Kunst in der DDR war vielfältiger, als die jetzt vorherrschende Ansicht behauptet. Eigenwillige Außenseiter hatten es allerdings schwer, ihren Platz in der Kunstszene zu erlangen. Das galt in hohem Maße für den Maler Carl Marx, der vor 100 Jahren in Göttnitz bei Bitterfeld geboren wurde, mit fünfzehn Jahren die Lehre als Dekorationsmaler begann und bald in die Sozialistische Arbeiterjugend eintrat. Er konnte dann am Bauhaus in Dessau vorzugsweise Schriftgestaltung studieren und machte noch unter Mies van der Rohe die kurze Übersiedlung nach Berlin mit. Es folgten Arbeitslosigkeit, kärglicher Broterwerb als Anstreicher, Zwangsverpflichtung zum Bau der Befestigungen des Westwalls, Kriegsdienst bis zur schweren Verwundung, verschiedene Tätigkeiten. Nach Kriegsende begann er zu malen, trat in die SPD ein und war 1948 erstmals in der Kunstausstellung des Landes Sachsen-Anhalt in der Halleschen Moritzburg vertreten.

Nachdem er, der sich nie anpassen wollte, 1953 aus der SED ausgeschlossen wurde, musste er zeitweise seinen Lebensunterhalt als Bauarbeiter verdienen, stellte aber auch weiter aus und war sogar Jurymitglied der Kunstausstellung der Bezirke Halle und Magdeburg 1957, an der die Kulturpolitik der DDR ein Aufsehen erregendes Exempel einer neuen Strafaktion gegen »westlichen Formalismus« statuierte. Die DEFA-Wochenschau verhöhnte sein Bild »Katzentheater«, in dem er seine persönliche Bildsprache voll ausgebildet hatte. Aus impressionistischer Leichtigkeit und expressionistischer Starkfarbigkeit und freiem Umgang mit Proportionen formte er seine Variante eines surrealen Phantasierens, um vor allem lustvoll die Frauen zu feiern, aber gelegentlich auch Ängste vor Gefahren für die Menschheit zu artikulieren. Gern arbeitete er mit dem uralten Gestaltungsmittel der Vermischung von Tier- und Menschengestalt. Seine Bildtitel konnten wortspielerisch sein (»Backfischaquarium«).

Der Kunsthistoriker Wolfgang Hütt wollte während der kurzen Zeit, da er Direktor des Moritzburg-Museums war, eine Personalausstellung zu Marx 60. Geburtstag einrichten, verlor aber seinen Posten. Erst viel später konnte er mehrmals über Marx publizieren und schließlich Dutzende Briefe des Malers an ihn, die jetzt in der Stiftung Bauhaus in Dessau bewahrt werden, 2002 kommentiert veröffentlichen. Sie sind äußerst eindrucksvolle Dokumente für Meinungen, Schaffensantriebe und Charakter eines Künstlers, der sich u. a. Verdienste um die Restaurierung des Bauhaus-Gebäudes erwarb, als die Kunstpolitik der DDR in den siebziger Jahren das großartige Erbe dieser Kunstschule zu akzeptieren begann. Marx konnte nun mehrmals ausstellen und erinnerte mit dem beängstigend chaotischen »Song vom letzten Bauhausfest, Februar 1933« (1977) an das Unheil, das damals begonnen hatte.

In den achtziger Jahren war Marx überaus produktiv und verkaufte gut an private Sammler, durfte aber nie ins westliche Ausland und fiel in der X. Kunstausstellung der DDR in Dresden 1987 neben vielen anderen individuellen Gestaltungsweisen nicht mehr besonders auf. Die neuen gesellschaftlichen und künstlerischen Verhältnisse nach 1990 beurteilte er ebenso kritisch wie die vorherigen. Er arbeitete eifrig für eine erhoffte Ausstellung zu seinem 80. Geburtstag. Aber wenige Monate zuvor starb er, der trotz zahlloser Liebschaften nie eine feste Bindung eingegangen war, in verschlossener Einsamkeit wahrscheinlich am 10. März 1991 in Dessau.

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