Werbung

Der Herr der Hummeln

Im hessischen Untertaunus bietet ein Züchter den Obstbauern einen ganz speziellen Service an

  • Von Anne-Katrin Einfeldt, dpa
  • Lesedauer: 3 Min.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Im hessischen Aarbergen züchtet Rüdiger Schwenk Hummeln – als einziger in Deutschland und ganz professionell. Seine Tieren liefert er in der Blütezeit an Obstbauern, die ihre Erträge steigern wollen.

Aarbergen. Die Hummel wirkt noch benommen. Rüdiger Schwenk hat sie vorsichtig mit einer langen Pinzette aus einer Box mit einem Hummelvolk herausgeholt und sie in einer Petrischale für einige Minuten in den Kühlschrank gelegt. Der Grund: Sie soll fotografiert werden. Dafür ist es besser, wenn das Insekt ruhig ist. Und das gelingt mit der Kühlung. Rüdiger Schwenk ist nach seinem Wissen der Einzige in Deutschland, der professionell Hummeln züchtet.

Innerhalb von 24 Stunden

Das Geschäft ist ein saisonales: »Ich kann nur vier Monate verkaufen, habe aber acht Monate Arbeit damit«, sagt der 57-Jährige in seiner Firma in Aarbergen im Untertaunus. Bestimmt wird die Geschäftszeit durch die Blütezeit: »Der Gärtner sieht die Obstblüte, dann braucht er die Tiere innerhalb von 24 Stunden.« Deshalb wird per Express geliefert. Und zwar in Plastikboxen, die wiederum in Transportkisten gepackt werden – Schwenks Eigenentwicklung. Damit die Tiere den Transport überleben, bekommen sie noch eine Portion Zuckerwasser mit auf den Weg quer durch Deutschland.

Zwar gibt es über 30 Hummelarten in Deutschland, für die Zucht geeignet sei aber nur die Dunkle Erdhummel (Bombus terrestris), berichtet Schwenk. Der Vorteil der Hummeln gegenüber den Bienen: Während letztere erst ab einer Temperatur von 15 Grad ihrer Bestäubungsarbeit nachgehen, fliegt die Hummel mit ihren charakteristischen gelben Querstreifen und der weißen Hinterleibsspitze schon bei neun Grad aus und sammelt Nektar und Pollen. Hummeln züchtet der studierte Ingenieur für Elektrotechnik seit 1994. Ihm hätten die Tiere gut gefallen. Deshalb habe er sich seinerzeit im Bieneninstitut im westfälischen Münster mit den ersten Exemplaren eingedeckt. Dann hat er eine Zuchtbox entwickelt, die es ihm ermöglicht zu bestimmen, wann die Königin mit der Anzucht beginnt. Für jedes Volk habe er eine Karteikarte angelegt, auf der verzeichnet sei, was die Insekten fressen und wie sie sich verhalten, sagt Schenk. Die Völker hält er in einer Containeranlage in seiner Firma STB Control bei Rotlicht, einer bestimmten Temperatur und einer höheren Luftfeuchtigkeit als normal. Zu fressen bekommen die rund 350 bis 400 Tiere rund um die Königin zehn Gramm Pollen pro Woche. Mit zweieinhalb Litern Zuckerwasser kommt so ein Volk aus »solange die leben«, sagt der Züchter. Und das seien nur wenige Monate.

Nicht ganz ungefährlich

Die Königin ist mit ihren rund drei Zentimetern Länge drei Mal so groß wie ihre Arbeiterinnen und überlebt ein Jahr. Allerdings gönnt sie sich davon auch bis zu acht Monate Winterschlaf.

Hummeln seien an sich harmlose Tiere, berichtet Schwenk. Trotzdem ist die Arbeit mit ihnen nicht ganz ungefährlich. Starkes Parfüm oder Schweißgeruch seien ihnen zuwider: »Dann stechen sie.« Seine Zucht für den biologischen Pflanzenschutz hat ihm selber auch schon einiges eingebrockt: »150 Stiche hatte ich schon.« Auch dagegen empfiehlt Schwenk keine chemische Keule: »Am besten eine frische Zwiebel aufschneiden und draufdrücken.«

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!