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»Finanzindustrie schätzt die Lage als ernst ein«

Jesuitenpater Jörg Alt, Kämpfer für eine Transaktionssteuer, sieht Erfolge

Seit Oktober 2009 kämpft der Jesuitenpater Jörg Alt für die Einführung einer Steuer auf Finanztransaktionen. Dass die Politik nun konkrete Pläne für diese Steuer hat, stimmt ihn zwar zufrieden – Kritik übt er dennoch.

Nürnberg (dpa/ND). Mit seiner Kampagne »Steuer gegen Armut« hat der Jesuitenpater Jörg Alt die Idee einer Steuer auf Finanztransaktionen populär gemacht. Dass die politischen Pläne zur Einführung der Finanztransaktionssteuer konkreter werden, sei ein Erfolg, sagt Alt. Allerdings dürften mit dem Geld nicht die öffentlichen Haushalte saniert werden. »Das zweite Ziel unserer Kampagne ist, dass die Einnahmen durch diese Steuer für die Armutsbekämpfung und den Klimaschutz verwendet werden.«

Mehr als 80 Organisationen unterstützen Alts Kampagne. Für eine Petition wurden 66 000 Unterschriften gesammelt. Derzeit wirbt auch Bayerns evangelische Landeskirche um Unterstützung für Alts Anliegen. Um die Finanzmärkte zu bändigen, hatten sich erst kürzlich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy für die Einführung einer Transaktionssteuer in der Euro-Zone ausgesprochen. Zugleich gebe es auch Pläne der EU-Kommission, betonte Alt. »Wir wünschen uns jetzt einen Wettlauf der besten Konzepte, um die Steuer erst einmal einzuführen. Das wäre ein großer Erfolg.«

Ob die Globalisierungskritiker von Attac, die Grünen, die SPD der Deutsche Gewerkschaftsbund oder kirchliche Institutionen – Alt hat sie für den Kampf für die Transaktionssteuer an einen Tisch gebracht. Das große Interesse an seiner Kampagne habe ihn überrascht, gibt Alt zu. Aber in der Bevölkerung sei wohl der Eindruck entstanden, dass die Politik nichts tue, um den Finanzsektor an den Krisenkosten zu beteiligen. Das habe die Menschen wütend gemacht.

Alt sieht Hinweise, dass die Finanztransaktionssteuer im Euro-Raum tatsächlich eingeführt wird: »Das deutlichste Zeichen, dass die Steuer kommt, ist der zur Zeit erhöhte Protest der Finanzindustrie und ihrer Lobbyisten. Offensichtlich schätzen sie die Lage als so ernst ein, dass sie ganz tief in die Kiste möglicher Abwanderungs- und Untergangsszenarien greifen.«

Dass er sich als Kirchenmann – Alt arbeitet in der Jesuitenmission und der Katholischen Hochschulgemeinde Nürnberg – für derlei politische Sachfragen einsetzt, findet er nicht ungewöhnlich: »Es gibt verschiedene Gaben in der Kirche. Die Bischöfe sprechen eher grundsätzlich, etwa zu Werten und Ethik. Und es gibt praktische Unternehmungen, um die Welt konkret ein Stückchen gerechter und lebenswerter zu machen.« Es sei kein Widerspruch, »dass ein Jesuit in der Politik mitmischt und Bischöfe Hirtenworte schreiben. Es ergänzt sich vielmehr«.

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