Ermittlungen gegen Hartmut Hopp

Menschenrechtsorganisation zeigt Colonia-Dignidad-Arzt an

Krefeld (AFP/ND). Die Staatsanwaltschaft Krefeld hat Ermittlungen gegen den früheren Vize-Chef der berüchtigten Siedlung Colonia Dignidad in Chile, Hartmut Hopp, eingeleitet. Hintergrund ist nach Behördenangaben vom Mittwoch eine am Freitag eingegangene Anzeige einer Menschenrechtsorganisation gegen den deutschen Arzt, der sich zur Zeit im Raum Krefeld aufhält.

Der 67-Jährige war zu Jahresbeginn im Zusammenhang mit sexuellem Kindesmissbrauch in Chile verurteilt worden und hatte sich danach offenbar abgesetzt. Die chilenische Justiz erließ einen internationalen Haftbefehl gegen Hopp, der als deutscher Staatsbürger jedoch nicht ausgeliefert werden kann.

»Parallel zur Einleitung des Ermittlungsverfahrens warten wir auf Unterlagen chilenischer Behörden«, sagte der Krefelder Oberstaatsanwalt Klaus Schreiber. Erste Dokumente seien am Mittwoch bereits eingetroffen. Auch habe die Staatsanwaltschaft schon Unterlagen von Privatleuten aus Chile erhalten. Diese und weitere Dokumente würden nun ausgewertet.

Hopp galt als rechte Hand des verstorbenen Leiters der Colonia Dignidad, Paul Schäfer. Dieser war nach jahrelanger Flucht 2005 in Argentinien gefasst und dann nach Chile überstellt worden. Dort wurde er 2006 wegen sexuellen Missbrauchs von rund 20 Kindern in der Siedlung zu 20 Jahren Haft verurteilt. Er starb im vergangenen Jahr im Alter von 88 Jahren in einem Gefängniskrankenhaus.

In der sektenartig organisierten Colonia Dignidad sollen zudem während der von 1973 bis 1990 währenden Militärdiktatur Augusto Pinochets politische Gefangene zu Tode gefoltert worden sein. Die Kolonie, die inzwischen Villa Baviera heißt, diente auch als Fluchtburg für Alt-Nazis. Nach außen hin wurde sie als landwirtschaftliches Vorzeigeprojekt präsentiert. Geleitet wurde die Kolonie unter dem Einsatz von Psychoterror, Unterdrückung und der Pflicht zum absoluten Gehorsam.

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