Protestieren nach Noten

Die Gruppe »Lebenslaute« verbindet seit 25 Jahren klassische Musik mit politischem Protest gegen Militär und Atom

  • Von Hendrik Lasch, Könnern
  • Lesedauer: ca. 6.5 Min.

Piano und Forte statt Kriegstransporte: Die Aktion 2011 von »Lebenslaute« findet morgen nach 11 Uhr am Flughafen Leipzig statt, der stark militärisch genutzt wird. Bis zu 65 000 US-Soldaten landen dort pro Monat auf dem Weg nach Afghanistan oder den Irak zwischen. Ein Ort, der wie geschaffen ist für eine Aktion von »Lebenslaute«. Die Gruppe protestiert seit 25 Jahren mit klassischer Musik gegen Militarisierung und Atommüll, aber auch gegen Gentechnik und eine falsche Flüchtlingspolitik.

Bevor sich das Orchester erneut an eine sehr knifflige Passage bei Kurt Weill wagt, nimmt eine Violonistin noch einen Schluck. »Thymian und Salbei«, beschreibt sie auf Nachfrage der Dirigentin die Mischung in ihrer Thermoskanne. Die früheren Nutzer des kahlen Raumes, in dem das »Lebenslaute«-Orchester probt, hätten diese heilsame Mischung wohl gutgeheißen: Plakate mit Tipps für gesunde Haut sind alles, was von der ehemaligen Apotheke in Könnern blieb. Aus dem Einkaufszentrum der Kleinstadt in Sachsen-Anhalt ist sie ebenso ausgezogen wie alle anderen Läden.

Dass der Kommerz in Könnern gescheitert ist, eröffnet der Kunst Raum – zumindest für drei Tage. So lange haben die 60 Orchestermusiker und Sänger von »Lebenslaute« den Konsumtempel in Probenräume verwandelt. Dass Weill und Bach, Händel und Janacek in derart nackten Räumen einstudiert werden und nicht im Kulturhaus, hat finanzielle Gründe: Die Miete ist für das nicht-kommerzielle ...


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