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UBS-Händler verzockte zwei Milliarden

Erneut sorgt ein Skandal bei der größten Schweizer Bank für schweren Imageschaden

  • Von Marc Engelhardt, Genf
  • Lesedauer: 3 Min.
Die Schweizer Großbank UBS wird von einem neuen Skandal erschüttert: Ein Investmentbanker soll zwei Milliarden Dollar versenkt haben.

Ob an der Börse, im Parlament oder in der Zentrale der Schweizer Bank UBS: Die nüchterne Nachricht, verbreitet Minuten vor Beginn des Handels an der Zürcher Börse, schlug ein wie eine Bombe. »Die UBS hat festgestellt, dass es aufgrund von nicht autorisierten Handelsgeschäften eines Händlers ihrer Investmentbank zu einem Verlust gekommen ist«, heißt es darin. Dieser werde auf zwei Milliarden US-Dollar geschätzt. »Es ist möglich, dass die UBS deshalb im dritten Quartal 2011 einen Verlust bekannt geben wird.«

Der Kurs der Großbank ging umgehend auf Talfahrt, auch wenn er sich später leicht erholte. »Es ist unglaublich, dass so etwas immer noch passieren kann«, sagt ein Zürcher Aktienhändler kopfschüttelnd. Ein UBS-Mitarbeiter knirscht mit den Zähnen: »Diese Investmentbanker, es wird Zeit, dass die Sparte endlich dicht gemacht wird.« Die Londoner Polizei teilte mit, in der Nacht einen 31-jährigen UBS-Angestellten unter Betrugsverdacht verhaftet zu haben – vermutlich handelt es sich um einen Aktienhändler.

Weitere Fragen blieben zunächst ungeklärt. Handelte der Mann allein? Was steckte hinter seinen Geschäften? Vor allem: Wie kann es sein, dass niemand etwas mitbekam? Spätestens seit 2008, als die UBS mit Schweizer Staatsmilliarden vor dem Untergang gerettet werden musste, sollten interne Kontrollen verhindern, dass Investmentbanker sich verzocken. Täglich, so hieß es aus der Zentrale, würden die Nettopositionen jedes Händlers kontrolliert, jeder Missbrauch sei unmöglich. Leere Versprechungen, wie sich nun zeigt.

Der Verlust dürfte der UBS dabei weniger weh tun als der Imageschaden. Die größte Schweizer Bank stolpert seit Langem von einem Skandal zum nächsten: Vorwürfe wegen Steuerbetrugs, Schadenersatzforderungen im US-Hypothekencrash und jetzt das. »Reiche Anleger, die die UBS noch nicht verlassen haben, tun es jetzt«, reibt sich der Analyst einer Konkurrenzbank die Hände.

Entsetzt zeigten sich die Abgeordneten des Schweizer Parlaments, die die Nachricht kurz nach Beginn einer Debatte über die stärkere Regulierung von Großbanken erreichte. »Die haben nichts dazu gelernt«, empörte sich der FDP-Abgeordnete Philipp Müller. Der grüne Abgeordnete Daniel Vischer warf der UBS Selbstherrlichkeit vor und forderte eine verbindliche Aufteilung der Großbanken in ihre Unternehmensbereiche Investmentbanking und Privatkundengeschäft. Chancen hat dieser Vorschlag freilich nicht. Stattdessen musste die konservative Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf selbst ihre Forderung nach Erhöhung des Eigenkapitals von Großbanken gegen Blockadeversuche der rechts-populistischen Schweizer Volkspartei verteidigen, die im Parlament die größte Fraktion stellt. Selbst konservative Analysten warnen allerdings, dass Banken wie die UBS die entscheidende Kernkapitalquote leicht schönrechnen können.

Der Betrug des 31-jährigen UBS-Bankers ist kein Einzelfall: Der Investmentbanker Jérome Kerviel brachte 2008 die französische Großbank Société Générale an den Rand des Ruins, nachdem er 1,5 Milliarden Euro verzockte. Der Derivatehändler Nick Leeson floh, nachdem er mit seinen Spekulationen die älteste Immobilienbank Großbritanniens, Barings, versenkt hatte. Während die Branche immer von Einzelfällen spricht, glauben Kritiker, dass der Druck und das Bonussystem in den Investmentbanken Spekulationen fördern. Der Druck auf UBS-Chef Oswald Grübel dürfte jedenfalls wachsen, die Investmentsparte mit derzeit 18 000 Angestellten noch stärker zu schrumpfen als bisher vorgesehen.

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