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Gottes Krieger daheim

Der Papst ist da! Am Sonntag hebt er wieder ab

  • Von Thomas Blum und Uwe Kalbe
  • Lesedauer: 2 Min.
Für den Staatsbesuch des Papstes am Donnerstag wurde die gesamte Berliner Innenstadt in eine Hochsicherheitszone verwandelt. Viele Abgeordnete blieben seiner Rede im Bundestag fern.

Berlin ist derzeit nicht nur mit Pilgern aus ganz Europa verstopft. Mindestens 16 000 Polizisten sollen im Einsatz sein. Bereits vor Tagen wurden in verschiedenen Straßen Anwohner dazu verpflichtet, ihre Fenster geschlossen zu halten und Balkone nicht zu betreten. Auch im deutschen Bundestag wurden gestern Abgeordnete und Mitarbeiter mit einer Durchsage gewarnt, sich in ihren Büros »nicht am Fenster aufzuhalten, um Missverständnisse mit den Sicherheitskräften zu vermeiden«.

Nach der Begrüßung durch Bundespräsident Christian Wulff (CDU) kam der Papst – nachdem er mit seiner Kolonne durch leere Berliner Straßen gefahren war – mit der Bundeskanzlerin zum Austausch von Belanglosigkeiten zusammen.

Von Journalisten auf die zahlreichen Missbrauchsskandale in der katholischen Kirche angesprochen, meinte der 84-Jährige gestern, die Kirche müsse lernen, solche Skandale »auszuhalten«. Was wohl in etwa heißen soll: Da kann man nichts machen.

Nicht alle Abgeordneten, die ihr Fernbleiben bei der Papstrede im Bundestag angekündigt hatten, taten dies. Bei der Linksfraktion waren gestern nur 28 der 76 Plätze besetzt. Damit boykottierten deutlich mehr LINKE als erwartet die Rede. Die meisten anwesenden Abgeordneten der Fraktion trugen rote Aids-Schleifen. Bei SPD und Grünen waren die Reihen dichter besetzt. Hans-Christian Ströbele (Grüne) verließ nach den ersten Sätzen Ratzingers den Plenarsaal.

Bevor der Papst zu seiner Rede anheben konnte, musste er zum Pult gebracht werden; er hatte den Platz von Bundestagspräsident Norbert Lammert angepeilt. Letzte Verzögerung, als Lammert auf dem langen weißen Gewand zu stehen kam, dann endlich konnte Benedikt XVI. beginnen. Ein »hörendes Herz« – so das Thema, mit dem er den Menschen in Einklang mit der Natur zu versetzen suchte.

Zu gleicher Zeit protestierten mehrere tausend Menschen gegen den Besuch des Kirchenführers. Die Demonstranten trugen Transparente mit Sprüchen wie »Papst, geh' nach Hause« oder »Keine Macht den Dogmen«.

Abends fand eine weltweit live übertragene Messe im Olympiastadion statt, zu der 70 000 Teilnehmer erwartet wurden. Was die Organisation des Gottesdienstes angeht, schien man sich die Ansicht »Viel hilft viel« zu eigen gemacht zu haben: 600 Priester, 1500 Ministranten und 750 Sänger. Zur Ruhe legen wollte Ratzinger sich anschließend in der Apostolischen Nuntiatur, wo ein Demonstrationsbündnis plante, dem Papst eine schlaflose Nacht zu bereiten. Vor ihren Fenstern hatten Anwohner eine Mitteilung an den Papst angebracht: »Willkommen im Gottesstaat« war da zu lesen. Auch die Regenbogenflagge hängt dort.

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