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Einsatz für Klimaschutz und das Leben

Der Alternative Nobelpreis geht in diesem Jahr an drei Personen und eine Organisation

  • Von André Anwar, Stockholm
  • Lesedauer: 3 Min.
In Stockholm hat am Donnerstag der Vorsitzende des Alternativen Nobelpreis-Komitees, Ole von Uexküll, die diesjährigen Laureaten bekannt gegeben. Demnach geht die hohe Auszeichnung der Right Livelihood Stiftung an vier Preisträger, erstmals auch aus Tschad in Afrika und aus China.

Der 53-jährige Ingenieur Huang Ming aus der wirtschaftlich boomenden Volksrepublik China erhält den Ehrenpreis für seinen Kampf gegen den Klimawandel. Geehrt werde Ming für seinen »herausragenden Erfolg in der Entwicklung und Massenverbreitung von Spitzentechnologien für die Nutzbarmachung von Solarenergie«. Und weil er zeige, wie dynamische Schwellenländer dazu beitragen können, die globale Krise des anthropogenen Klimawandels zu überwinden, sagte von Uexküll.

Die Kovorsitzende der Preisstiftung Monika Griefahn erinnerte sich im anschließenden Gespräch mit dieser Zeitung an ihre »Untersuchungsreise« nach China. »Es ist bemerkenswert dort. Auch abseits der Expertenkreise gibt es inzwischen so etwas wie Umweltbewusstsein in China. Die absolute Macht der Zentralregierung wird manchmal auch für Gutes genutzt. So hat Peking bereits in allen Ballungszentren Mopeds verboten und durch Elektrofahrräder ersetzt. Die Luft ist deutlich besser geworden«, sagt sie. In Dezhou besuchte sie den diesjährigen Ehrenpreisträger, der dort das Solar Valley gegründet hat, um ein nationales Beispiel für Solarenergie als realistische Alternative zu fossilen und nuklearen Energien zu schaffen. »Huang Ming ist Erfinder und Entwickler, Visionär und Missionar, Hersteller und Unternehmer in einer Person«, so Griefahn.

Den Alternativen Nobelpreis erhält auch die Anwältin Jacqueline Moudeina (54) aus Tschad. Sie habe »unter großem persönlichen Risiko« die Verfolgung und Verurteilung des für über 40 000 Hinrichtungen verantwortlichen Exdiktators Hissène Habré betrieben, der derzeit unbehelligt im senegalesischen Exil ein Luxusleben führt. Sie wollte, »dass den Opfern Gerechtigkeit widerfährt«. Damit habe sie im unüberwindlich erscheinenden Hass den Grundstein für zukünftigen Frieden gelegt und anderen afrikanischen Ländern ein Vorbild für nachhaltige Konfliktprävention durch Verarbeitung und Beilegung des bereits Geschehenen gegeben, begründete die Jury ihre Entscheidung.

Ausgezeichnet wird auch der Kleinbauernverband GRAIN (International), »weil seine weltweite Arbeit die Lebensgrundlage und die Rechte bäuerlicher Gemeinschaften schützt und den massiven Aufkauf von Ackerland in Entwicklungsländern durch ausländische Finanzinvestoren entlarvt«, erklärte von Uexküll. Die von fehlenden demokratischen Strukturen flankierte Aneignung von Farmland durch Finanzinvestoren – Landgrabbing genannt – verschlimmere die globale Krise bei der Versorgung mit Nahrungsmitteln und bedrohe die Biodiversität.

Vierte Preisträgerin in diesem Jahr ist die Geburtshelferin Ina May Gaskin (71) aus den USA. Mit ihrem Lebenswerk, »der Lehre und Verbreitung von Geburtsmethoden«, habe sie »die Frauen in den Mittelpunkt gestellt und die körperliche wie geistige Gesundheit von Mutter und Kind gefördert«, begründete die Jury. Gaskin stellte sich in den 70er Jahren gegen die »medizinischen Geburten« durch Kaiserschnitte, die große Vorteile für Krankenhäuser, Versicherungsgesellschaften und Arzneimittelindustrie bringen, aber nicht unbedingt für die Frauen.

Der mit 150 000 Euro dotierte Alternative Nobelpreis wird am 4. Dezember im schwedischen Parlament in Stockholm verliehen. Während der Ehrenpreis nicht dotiert ist, teilen sich die anderen drei Preisträger die Preissumme zu gleichen Teilen. Anders als im Falle des chinesischen Bürgerrechtlers Liu Xiaobo, der bei der Vergabe des Friedensnobelpreises 2010 nicht anwesend sein konnte, erwartet die Stiftung des Alternativen Nobelpreises für ihren Ehrenpreisträger Huang Ming keine Probleme, an der Auszeichnungszeremonie in Schweden persönlich teilzunehmen.

Der »Alternative« gehört nicht zum offiziellen Reigen der Nobelpreise. Obwohl eine Aufnahme mehrmals beantragt worden ist, heißt es aus dem Nobelgremium, dass der Preis nicht mit dem testamentarischen Willen Alfred Nobels vereinbar sei. Allerdings hatte die Nobelstiftung den Wirtschaftsnobelpreis, der nicht in Nobels Testament vorgesehen war, ebenfalls nachträglich aufgenommen.

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