Werbung

Drohgebärden

Kommentar von Olaf Standke

Die Reaktion aus Ankara kam umgehend, und die türkische Regierung zeigte sich deutlich verärgert über den jüngsten Report aus Brüssel zur EU-Erweiterung. Inakzeptabel sei die Kritik am Umgang mit Minderheiten, und wenn es um den Konflikt mit Zypern gehe, dann sei da ein »trojanisches Pferd« im Einsatz. Die Türkei präsentiert sich seit geraumer Zeit mit neuem Selbstbewusstsein. Man sieht sich als Regionalmacht und kann eine Wirtschaftsdynamik vorweisen, von der andere nur träumen. Und so tritt man dann auch im Streit mit Zypern um die im östlichen Mittelmeer vermuteten Bodenschätze auf.

Schon bisher bot die Insel erheblichen Konfliktstoff. Doch die Drohung Ankaras, mit Kriegsschiffen seine Ansprüche auf Öl- und Gasvorkommen zu unterstreichen, ist eine neue Qualität, die die ohnehin lahmenden Friedensverhandlungen zwischen dem nur von Ankara anerkannten türkischen Nordteil und der griechischen Republik im Süden noch schwieriger macht. Zumal die Regierung Erdogan droht, während der zyprischen EU-Ratspräsidentschaft im nächsten Jahr die Beziehungen zu Brüssel ganz einzufrieren. Kein Wunder, dass die Zweifel an der jetzt wieder betonten Ernsthaftigkeit türkischer EU-Ambitionen wachsen.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!