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Allen Widerständen zum Trotz

Suche nach dem schwarzen Gold vor Grönland geht weiter

  • Von Andreas Knudsen
  • Lesedauer: 3 Min.
Die Arktis bleibt ein interessantes Gebiet zur Ausbeutung von Öl und Gas - trotz zahlreicher Rückschläge.

Die schottische Ölgesellschaft Cairn Energy ist die aktivste der zahlreichen Ölgesellschaften, die auf potenzielle grönländische Funde setzen. Doch nach zwei Saisons mit Probebohrungen und Investitionen von insgesamt rund 700 Millionen Euro musste das Unternehmen auch in diesem Jahr konstatieren: kein Öl oder Gas nordwestlich von Grönland.

Zwar stieß Cairn 2010 auf Spuren von Gaskondensat, die ließen allerdings auf keine ausbeutungswürdigen Vorkommen schließen. Die Bohrungen dieses Sommers blieben hingegen völlig trocken. In einer kurzen Mitteilung zum Abschluss der Saison zeigte sich das Unternehmen zwar weiter optimistisch, aber es mehren sich die Zweifel, ob die Investoren zu einer weiteren Bohrsaison bereit sind. Vorsichtige Schätzungen gehen davon aus, dass das Unternehmen bisher etwa 500 Millionen Euro für sein Engagement in Grönland ausgegeben hat.

Trotzdem stehen die Ölgesellschaften Schlange, um ihren Anteil am potenziellen Reichtum zu bekommen. Für 2012 wird erwartet, dass nicht nur Cairn, sondern auch ein Konglomerat, das u.a. aus Statoil, Gaz de France, Shell und Mærsk besteht, intensive Untersuchungen und möglicherweise Bohrungen durchführen werden. Weitere Ölgesellschaften haben Lizenzen erworben.

Während für Cairn Energy die Bohrsaison eine Enttäuschung war, wird Greenpeace sie als Erfolg betrachten. Im Mai und Juni diesen Jahres setzte die Organisation alle verfügbaren Ressourcen ein, um die Bohrungen in den nordwestgrönländischen Gewässern zu stoppen. Mehrfach enterten Aktivisten die Ölplattform Leiv Eiriksson, um Einsicht in die Notfallpläne zu erzwingen. Sie wurden in Zusammenarbeit zwischen den grönländischen und dänischen Behörden festgenommen, verurteilt und aus Grönland ausgewiesen. Bei den niederländischen Seefahrtsbehörden, wo die Schiffe registriert sind, ist eine Klage wegen Behinderung der freien Seefahrt anhängig. Und jetzt, Monate nach den Aktionen und den Probebohrungen, gab die Autonomieregierung dem Druck nach und veröffentlichte die Pläne.

Cairn selber schätzt, die für einen Notfall bereitgestellten Mittel wären ausreichend gewesen, 10 000 Tonnen Öl am Tage aufzusammeln. Gleichzeitig war ihre Erwartung, dass im schlimmsten Fall höchstens die Hälfte ausgetreten wäre. Worauf sich diese Berechnung stützt, wurde nicht gesagt. Im Fall des Deep Water-Blow-outs im Golf von Mexiko traten bis zu 15 000 Tonnen Öl täglich aus. Sowohl diese wie die grönländischen Bohrungen wurden in ähnlichen Tiefen um die 1500 Meter vorgenommen, doch die Wetterbedingungen in der Arktis sind ungleich schlechter. Dennoch ist Cairn überzeugt, durch mechanisches Aufsammeln, versprühen von Chemikalien und kontrolliertem Abbrennen den Löwenanteil des Öles entfernen zu können.

Andere Experten bleiben skeptisch. Im Gefolge der Deep Water-Katastrophe gab die kanadische Regierung eine Untersuchung in Auftrag, um Risiken im Seegebiet zu Grönland einzuschätzen. Der vorläufige Bericht von S.L. Ross Environmental Research sagt aus, dass auch im Juni, dem günstigsten Monat, in etwa 20 Prozent der Zeit nicht möglich wäre, Reinigungs- und Rettungsarbeiten auf Grund der Wetterbedingungen durchzuführen. Im November, dem letzten Monat bevor das Meer vereist, ist es in 84 Prozent der Zeit nicht möglich zu arbeiten. Zudem hat Cairn Energy bisher nur in den warmen Gewässern des Mittelmeeres und des Indischen Ozeans gearbeitet. Doch Konzern und Behörden gehen weiter davon aus, dass ihre Maßnahmen größere Ölaustritte verhindern können.

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