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Arme hängen lassen!

Nur was für Hartgesottene und Unerschrockene

Helgoland – fast jeder, der einmal dort war, ist begeistert von der Hochseeinsel in der Nordsee. Doch zunächst muss man vom sicheren Festland übers Meer, um das Eiland zu erreichen. An der Anreise jedoch scheiden sich die Geister. Für die einen ist sie ein unvergleichlich tolles Erlebnis und eine zu bewahrende Tradition, andere empfinden sie nicht nur als Zumutung sondern verfallen in Angst und Schrecken. Zwei nd-Mitarbeiter sind nach Helgoland gefahren – nur in einem sind sie sich einig: Die Insel selbst ist unbedingt einen Besuch wert.

Arme hängen lassen! Wer schon einmal mit einem normalen Schiff zu Deutschlands einziger Hochseeinsel geschippert ist, kennt dieses Kommando. Beiläufig nimmt man es das erste Mal wahr, wenn sich das Schiff der Insel nähert und der Kapitän nach drei Stunden Fahrt den Passagieren die Ankunft auf dem Eiland ankündigt. Er erklärt ihnen über Lautsprecher die auf Helgoland seit Urzeiten übliche Methode des Ausbootens.

In der Realität ist sie ein ganz und gar untouristisches Übel, das selbst der eine oder andere Kapitän inzwischen nicht mehr witzig findet, weil er sich um seine älteren Gäste sorgt. Und weil sich die Beschwerden häufen. Ausbooten heißt: Die Besucher werden mittels zweier unfreundlicher Gesellen aus einer Öffnung des Schiffes gerissen, mit dem sie gekommen sind. Die Männer packen sie dabei links und rechts an den Armen und befördern sie robust hinunter auf ein tiefer gelegenes Boot, in dem hat der Gast zehn Minuten Zeit, diesen zweifelhaften Willkommensgruß zu verkraften. Dann ist der endgültige Helgoländer Hafen erreicht, und er wird wieder herausgeschubst. Doch welcher Helgoland-Neuling ahnt schon Derartiges, wenn er die harmlose Durchsage hört.

Milde gestimmt durch die herrliche Sonne auf der Überfahrt von Wilhelmshaven zur Insel und in aufgeregter Erwartungshaltung gegenüber den Basstölpeln, Eissturmvögeln oder Lummen auf malerischen Buntsandsteinblöcken, die ich in den nächsten Stunden erblicken würde, schenkte ich dieser merkwürdigen Ansage kaum Aufmerksamkeit. Langsam bewegte ich mich in einer Schlange von Menschen auf die Ausstiegsluke des Schiffes und damit auf das Unheil zu. Auch all die anderen Helgolandverrückten achteten nicht auf ihre oberen Extremitäten. An denen hingen in den meisten Fällen noch Taschen, Fotoapparate, Kleinkinder oder bedürftige Erwachsene. Munter schwatzend näherte ich mich dem Ausbootungsfachpersonal, das jeden auf zwei Meter herangekommenen Herumfuchtler noch einmal fürchterlich anbrüllte: Arme hängen lassen!! Denn komisch: Kaum stand man vor den schwarz Gekleideten im Seeräuberlook, da gingen die Arme automatisch nach oben. Bei mir auch. Vielleicht aus Angst. Vielleicht auch, weil ich ein soziales Wesen bin und so ein sportliches Prozedere auch durch eigene Mitarbeit zum Erfolg bringen möchte. Wer weiß das schon. Am Ende erreichte schließlich jeder, der in Wilhelmshaven eingestiegen war, das rettende Ufer der Hochseeinsel.

Leider muss man irgendwann wieder zurück, wenn man nicht hier wohnt. Auf dem gleichen Weg. Spätestens, als ich die Menschenschlangen am Hafen erreicht hatte und die Boote über meterhohe Wellen zu den großen Schiffen schaukeln sah, fiel mir wieder ein: Arme hängen lassen! Zu allem Unglück brach auch noch ein Gewitter genau in dem Augenblick über die Insel herein, als ich mit zwanzig anderen Ausflüglern ins Boot stieg und dieses dann mitten in Blitz und Donner losfuhr. Wenn der Bootsrand plötzlich über einem schwebt, die Wellen von allen Seiten kommen und der Himmel ständig unter einem zu sehen ist, ist das alles andere als lustig.

Ich war einfach nur glücklich, als mich die Kerle von morgens aus dem Sturm hievten und aufs Schiff schubsten. Nass bis auf die Haut, ohne Aussicht auf eine wärmende Decke, aber immerhin lebend.

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