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Taxi ins Dunkel

Das Festival »Luxemburg ist Tanz« erobert an fünf Tagen Berlin

  • Von Volkmar Draeger
  • Lesedauer: 4 Min.
»On My Skin«
»On My Skin«

Mit Luxemburg assoziiert man so allerlei, weniger indes Tanz. Dem hilft das Großherzogtum mit einer groß angelegten Kampagne ab. Sie heißt »Luxemburg ist?«, findet bereits im dritten Jahrgang statt und widmet sich diesmal dem zeitgenössischen Tanz. Gastierten mit Bernard Baumgarten und Sylvia Camarda schon zwei der renommierten Compagnien des Landes mit Grenzberührung zur Bundesrepublik bei der euro-scene Leipzig 2009, so erlebt Berlin nun fünf Tage lang die Frontalattacke mit Tanz aus Luxemburg. Und der ist so international wie sein Herkunftsland. Denn das winzige Luxemburg kann auf eine überaus wechselvolle Geschichte, heute einen Ausländeranteil von beinah 50 Prozent sowie drei Amtssprachen verweisen. Das spiegeln auch die Schöpfer und Interpreten der fünf Vorstellungen und anderer Aktivitäten. Geschickt sind sie über verschiedene Spielstätten der Stadt verteilt und versuchen, Tanz aus Luxemburg in mehrere Bezirke zu tragen und neue Kontakte zu knüpfen.

Den Auftakt bestreitet am 24.10. im Heimathafen die gebürtige Finnin Anu Sistonen, ausgebildet an der Schule des Finnischen Nationalballetts. Gemeinsam mit vier weiteren Tänzern forscht sie in »Life« der Leidenschaft, Melancholie und Schönheit von Astor Piazzollas Tangokompositionen nach. Zugleich gestaltet sie darin die Gefühle einer Ausländerin, die in fremdem Land lebt.

Tags darauf präsentiert Bernard Baumgarten im Theater an der Parkaue »On my skin«. Ihm, dem gebürtigen Luxemburger, der in Rui Hortas heute fast legendärer Compagnie S.O.A.P. getanzt hat, dankt das Land seine erste Struktur für zeitgenössischen Tanz: das 2007 geschaffene Centre de Création Chorégraphique Luxembourgeois, dessen künstlerischer Leiter Baumgarten ist. Diese im Kürzel TROIS C-L genannte, vom Kulturministerium und der Stadt Luxemburg finanzierte Plattform für modernen Tanz bietet Choreographen einen Ort der Kreation und sucht zugleich das Fehlen einer staatlich geförderten nationalen Tanzcompagnie zu kompensieren. In Berlin zeigt Baumgarten seinen Beitrag aus Leipzig: die menschliche Haut als Organ sinnlicher Wahrnehmung, Körpergrenze, Erfahrungsbrücke zwischen Individuum und Umwelt.

Um Begegnungen und das Abschiednehmen von Menschen, Orten oder Ideen dreht sich »LogoZoo«, mit dem Jean-Guillaume Weis erst kürzlich Premiere hatte. Dass er, der seit 1998 schon 13 Stücke entworfen hat, in seinem Werk über den menschlichen »Zoo« auch die Eindrücke als langjähriger Tänzer bei Pina Bausch und Mark Morris verarbeitet, darf man annehmen. Spielort ist das Dock 11. An Menschen ab vier Jahren wendet sich im Theater an der Parkaue das »Projekt O« der Gruppe Vedanza. Es möchte über ein selbst verfasstes Märchen des künstlerischen Leiters Rajivan Ayyappan die kindliche Fantasie anregen. Drei Tänzer und der Musiker Ayyappan müssen auf der Suche nach dem Mond allerlei Hindernisse überwinden, entführen in eine Traumwelt aus Licht, Bild, Klang, Spiel und greifen Alltagserfahrungen ihrer jungen Zuschauer auf. Choreographiert haben Yuko Kominami aus Japan, Emanuela Iacopini aus Italien, Samuel Meystre aus der Schweiz, zugleich die Interpreten des Stücks.

Seinen Abschluss findet das Festival am 28.10. in der HALLE mit einem Doppelprogramm. In ihrem Solo »Seuils«, Schwellen, beobachtet Annick Pütz die Entwicklung einer Knospe und die Entstehung einer Zelle als der kleinsten Lebenseinheit, mit der Materie Form annimmt. Grenzen werden zu Schwellen in neue Räume: Gleichnis auf die Kreation einer Choreographie. Deftiger, gegenwärtiger geht die gebürtige Luxemburgerin Sylvia Camarda, ausgebildet an Schulen in Cannes und London, Tänzerin unter anderem bei den Ballets C. de la B. und Jan Fabre, zu Werke. Ihr selbst getanztes Solo »Conscienza di terrore I« fragt nach dem Gewissen von Terroristen, basiert auf Alex Gibneys Film »Taxi to he Dark Side« und befasst sich mit der Körpersprache von Soldaten im Krieg.

Zwischen den Gastspielen aktivieren zwei Workshops die Berliner zum Tanz. Am 26.10. können in den Sälen des Staatsballetts und in Zusammenarbeit mit dessen Verein »Tanz ist KLASSE!« Jung und Alt mit Kathlyn Pope zu Luxemburger Musik trainieren und eine »Brücke Luxemburg - Berlin«, dies das Motto, errichten. Einen Tag später gibt es im Studio von LaborGras die Ergebnisse eines fünftägigen Workshops zu besichtigen: Anne-Mareike Hess und Gianfranco Celestino als Gäste haben mit der Berlinerin Lena Meierkord ein Work in Progress erarbeitet. Alle zusammen feiern dann am 28.10. bei einer Party in der HALLE den Erfolg von »Luxemburg ist Tanz«.

24.-28.10., diverse Orte, Infos unter www.luxemburg-ist.de

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