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Derby der Anekdoten

Nürnberg verlor vor Jahren den Anschluss zum FC Bayern und hofft doch auf einen Sieg

  • Von Thomas Häberlein
  • Lesedauer: 3 Min.

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Im Duell mit dem FC Bayern München sind Siege des 1. FC Nürnberg selten geworden. Und dennoch bieten die Spiele zwischen Oberbayern und Mittelfranken immer Stoff für Anekdoten.

Selbstverständlich träumen sie von der Sensation. »Wenn wir das Spiel lange offen halten, bekommen wir unsere Chance«, sagt Dieter Hecking. Trainer sagen so etwas gerne, bevor ihre Mannschaft gegen den FC Bayern München antreten muss - und der Trainer des 1. FC Nürnberg macht da keine Ausnahme. Die Realität ist: Seit dem 28. März 1992 hat der Club nicht mehr beim FC Bayern gewonnen, er ist überhaupt erst dreimal aus München als Sieger die knapp 160 Kilometer zurück nach Norden gefahren.

Es ist bereits das 183. Aufeinandertreffen zwischen den Oberbayern und den Mittelfranken, die Machtverhältnisse sind so eindeutig geklärt wie lange nicht. Die »Glubberer« fiebern dem Spiel schon noch entgegen, den Spielern des FC Bayern aber ist der Gegner am Samstag wurscht: Wir wollen gewinnen, müssen gewinnen, werden gewinnen, sagen sie. Die drei Punkte sind fest eingeplant.

Das war schon mal anders, auch wenn mittlerweile sehr viele Menschen glauben, dass der FC Bayern schon als Rekordmeister gegründet wurde. In Wahrheit ist er es erst seit dem 17. Juni 1987, der Tag der zehnten Meisterschaft - und der Tag, an dem der 1. FC Nürnberg diesen Titel verlor. Die Franken hatten ihre neunte Meisterschaft 1968 gewonnen - und stiegen im Jahr danach ab. Im Grunde sind die Nürnberger seit damals nicht mehr auf Augenhöhe mit dem FC Bayern. Die Mittelfranken hängen an einem Verein mit Tradition, die Oberbayern an einem mit Erfolg.

Aller Ungleichheit zum Trotz sind aber schon häufig Dinge passiert, die nicht vorgesehen waren. Willi Entenmann wurde mal drei Tage nach einem Sieg (!) gegen die Bayern entlassen, am 9. November 1993.

Am 23. April 1994 wurde Thomas Helmer ein »Phantomtor« zugeschrieben, das keines war. Der Bayern-Sieg (2:1) wurde annulliert, das 5:0 im Wiederholungsspiel nicht. Nürnberg stieg ab.

Am 32. Spieltag der Saison 1989/99 gewann der Club 2:0. Die als Meister feststehenden Münchner ließen es so ruhig angehen, dass der Verdacht der Nachbarschaftshilfe für die abstiegsgefährdeten Franken nahelag. Die Nürnberger hatten danach fünf Punkte Puffer, organisierten die Nichtabstiegsfeier - und stiegen selbstverständlich noch ab.

Unter Trainer Dieter Hecking haben sich die Nürnberger dreimal sehr respektabel gegen den FC Bayern verkauft - und Hecking ist, auch wenn es keiner gemerkt hat, mitverantwortlich, dass Louis van Gaal nicht mehr Trainer in München ist. Hecking ließ beim 1:1 am 20. Februar 2010 Arjen Robben »doppeln« und alle in der Bundesliga machten es ihm nach, mit wachsendem Erfolg. Am 9. April 2011 holte Nürnberg erneut ein 1:1 gegen die Bayern. Es war das letzte Spiel für van Gaal.

Und am Samstag? Hecking muss sieben verletzte Spieler ersetzen. Er wird eine Mannschaft auf den Rasen schicken, die im Durchschnitt so jung ist, dass sie nur den Rekordmeister FC Bayern kennen kann.

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