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Gemeinsam lernen in Reinickendorf

Nach monatelanger Blockade billigt die CDU die Einrichtung einer Gemeinschaftsschule

Zum Schuljahr 2012/13 soll Reinickendorf seine erste Gemeinschaftsschule bekommen. Als letzter der Berliner Bezirke. Darauf einigte sich die Zählgemeinschaft von CDU und Grünen in der vergangenen Woche.

Konkret geht es um die Zusammenlegung von Hannah-Höch-Grundschule und Greenwich-Oberschule, einer integrierten Sekundarschule. Der Weg zur Realisierung der Gemeinschaftsschule allerdings war steinig. »Ich bin froh, dass wir diesen Schritt gegangen sind«, sagt der Schulleiter der Hannah-Höch-Schule, Michael Tlustek. »Endlich hat der gemeinsame Einsatz Früchte getragen und wir haben den Widerstand überwunden.« Schon seit eineinhalb Jahren kämpft Tlustek um den Zusammenschluss. An seiner Seite: Eltern und Lehrer beider Schulen, der Bezirksschulbeirat, Gewerkschaften, Betriebe und Parteien - mit Ausnahme der CDU. Bisher aber scheiterte die Einrichtung an der CDU-Mehrheit in Bezirkverordnetenversammlung (BVV) und Rathaus.

»Man sollte die Schulstadträtin Katrin Schultze-Berndt dazu beglückwünschen, dass sie sich eines besseren besonnen hat«, sagt der Vorsitzende des Landeselternausschusses, Günter Peiritsch. »Die Einrichtung war der Wille von so vielen verschiedenen Stellen.«

Ausschlaggebend für den Beschluss sind die veränderten Mehrheitsverhältnisse in der BVV. Nach der letzten Wahl kam die CDU auf 26 Sitze. SPD, Grüne und die Piratenpartei - allesamt Befürworter der Gemeinschaftsschule - kamen auf 29. Zwar ist das eine deutliche Mehrheit. Als Schulstadträtin hätte sich Schultze-Berndt jedoch nicht an den Beschluss halten müssen. Innerhalb der Verhandlungen mit den Grünen musste aber offensichtlich auch die CDU Abstriche machen. Dabei hatte sie den Wahlkampf noch mit deutlichen Positionen bestritten: Fortbestand der Gymnasien, Ende des Jahrgangsübergreifende Lernen (Jül), keine Gemeinschaftsschulen.

Zuletzt geriet die CDU in Reinickendorf wegen ihrer vehementen Ablehnung immer mehr unter Druck: Ende August bekam die Schulstadträtin bei einer Podiumsdiskussion die Enttäuschung der Eltern zu spüren. Dort schlug sich auch der Geschäftsführer des größten im Bezirk ansässigen Betriebs auf die Seite der Befürworter. Er versprach eine Ausbildungsplatzgarantie für 100 Schüler pro Jahrgang. »Das war ein Aha-Erlebnis für die Öffentlichkeit«, sagt Peiritsch. Dass auch dieses Angebot - im »Problemkiez« Märkisches Viertel durchaus bedeutend - die Schulstadträtin nicht umstimmten konnte, nahm man ihr übel. Auch parteiintern soll das für Ärger gesorgt haben.

Nun wartet Schulleiter Tlustek auf das Genehmigungsschreiben. »Ich glaube es nicht, bis ich es in den Händen halte.« Die Genehmigung könnte schon bald zugestellt werden. Für November hat die BVV eine Dringlichkeitssitzung angesetzt. Dann kann auch die Arbeit an der Gemeinschaftsschule beginnen: Während einer Übergangsfrist von vier Jahren soll dann jährlich ein neuer Jahrgang in die neue Schule hineinwachsen.

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