»Döner-Morde« aufgeklärt?

Bundesanwälte ermitteln gegen terroristische Nazi-Vereinigung

Der Fall des Heilbronner Polizistenmordes an Michèle Kiesewetter wird immer spektakulärer. Im zerstörten Haus der drei Verdächtigen in Zwickau haben Fahnder nun auch eine Pistole gefunden, mit der bundesweit die sogenannten Döner-Morde verübt wurden.

Zwischen September 2000 und April 2006 waren neun Händler - acht türkische Zuwanderer und ein Grieche - in ihren Läden in Nürnberg, München, Rostock, Hamburg, Kassel und Dortmund regelrecht hingerichtet worden. Zwei von ihnen hatten Döner verkauft, daher sprachen Ermittler intern von den »Döner-Morden« - ohne den Tätern näher zu kommen.

Die Tatwaffe - eine Ceska Typ 83, Kaliber 7,65 Millimeter - galt bislang als einzige Verbindung. Sie wurde nun in der zerstörten Wohnung von Uwe B. und Uwe M gefunden. Die beiden Mieter waren am Freitag vergangener Woche bei Eisenach tot in einem brennenden Wohnmobil entdeckt worden. In dem Fahrzeug hatte die Spurensicherung Dienstwaffen der Heilbronner Polizisten sichergestellt. Angeblich begingen die 34 und 38 Jahre alten Männer nach einem Banküberfall Selbstmord. Noch ist das Motiv unbekannt.

Sie hatten die Wohnung mit Beate Z. geteilt, die sich am Dienstag gestellt hatte. Die Frau soll eine Explosion in der Wohnung verursacht haben, um Beweise zu vernichten. Was nur unzureichend gelungen ist. Man fand unter anderem neun Faustfeuerwaffen, ein Repetiergewehr und eine Maschinenpistole. Z. schweigt.

Gestern nun hat die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen übernommen. »Es liegen zureichende tatsächliche Anhaltspunkte dafür vor, dass die Mordtaten einer rechtsextremistischen Gruppierung zuzurechnen sind«, hieß es. Es bestehe deshalb gegen Beate Z. der Anfangsverdacht der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung in Tateinheit mit Mord und versuchtem Mord sowie der schweren Brandstiftung. Die Fahnder gehen auch der Frage nach, ob weitere »Personen aus rechtsextremistischen Kreisen« in die Taten verstrickt sind.

Z. sowie ihre Kumpanen hatten Kontakte in die militante Neonazi-Szene. In den 90er Jahren sollen sie beim »Thüringer Heimatschutz«, der von V-Leuten durchsetzt war, aktiv gewesen sein. Nach dem Erfurter Verfassungsschutz erklärte nun auch das sächsische Landesamt, dass die drei keine V-Leute gewesen seien. Zu ihren Aufenthaltsorten seit ihrem Abtauchen 1998 habe man keine Kenntnis gehabt, hieß es.

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