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Endkampf um Olympus

Führung des Kameraherstellers zurückgetreten

  • Von Susanne Steffen, Tokio
  • Lesedauer: 2 Min.
Der Bilanzfälschungsskandal beim japanischen Kamerahersteller Olympus geht mit dem Rücktritt der alten Führungsriege dem Finale entgegen. Der Ruf japanischer Unternehmensführung ist möglicherweise nachhaltig geschädigt.

Der geschasste Olympus-Chef Michael Woodford hat das gesamte Direktorium des Kameraherstellers zum Rücktritt aufgefordert. Am Freitag nahm Woodford erstmals seit seiner Entlassung an einer Vorstandssitzung teil, bei der es um die Folgen eines der größten Bilanzfälschungsskandale der japanischen Nachkriegsgeschichte ging. Der 51-jährige Brite sagte im Anschluss, er stehe weiter für eine Rückkehr an die Olympus-Spitze zur Verfügung. Allerdings bettele er nicht um den Posten. Zuvor hatte die neue Konzernführung unter Präsident Shuichi Takayama erklärt, sie sei zum Rücktritt bereit, sobald sich das Unternehmen auf dem Weg der Besserung befinde.

Olympus gab kürzlich unter dem Druck der Medien zu, hohe Verluste aus Wertpapierinvestitionen in den 90er Jahren durch dubiose Unternehmenskäufe vertuscht zu haben. Woodford hatte den Skandal im Oktober ins Rollen gebracht, als er die Zahlung unverhältnismäßig hoher Beratungsgebühren für die Akquise des britischen Medizingeräteherstellers Gyros kritisierte und den damaligen Verwaltungsratschef Tsuyoshi Kikukawa zum Rücktritt aufforderte. Stattdessen verlor Woodford nach nur sechs Monaten im Amt seinen Posten als erster nichtjapanischer Präsident von Olympus. Das Unternehmen bekräftigte mehrfach, die Entlassung liege an Woodfords Unfähigkeit, sich mit der japanischen Unternehmenskultur zu arrangieren.

Zwei unbekannte Beratungsfirmen hatten im Jahr 2008 Honorare von 517 Millionen Euro erhalten, was etwa 30 Prozent des Kaufpreises entsprach - üblich ist ein Prozent. Inzwischen existieren die Firmen nicht mehr. Darüber hinaus soll Olympus mindestens drei weitere unprofitable Unternehmen akquiriert haben, die nichts mit dem Kerngeschäft des Kameraherstellers, der auch medizinische Präzisionsinstrumente baut, zu tun haben. Noch unklar ist das Ausmaß des Skandals. Japanische Medien berichten von vertuschten Verlusten in Höhe von rund 100 Milliarden Yen (970 Millionen Euro). Präsident Kikukawa und sein Vize Hisashi Mori mussten gehen. Aufseher Hideo Yamada erklärte seine Rücktritssabsicht.

Mehrere Experten mutmaßten zudem, dass die japanische Mafia beteiligt gewesen sein könnte. Olympus-Vertreter weisen dies mit Nachdruck zurück. Der neue Firmenpräsident Takayama erklärte, er habe keinerlei Kenntnis über etwaige Verbindungen zu »antisozialen Organisationen«, wie die Yakuza in Japan bezeichnet werden. Auch ein von Olympus eingesetztes Untersuchungsgremium konnte bislang keine Verbindung zur Unterwelt nachweisen.

Bis Mitte Dezember muss der Konzern seinen verspäteten Geschäftsbericht einreichen - sonst verliert Olympus automatisch seine Notierung an der Tokioter Börse. Die Olympus-Aktie verlor im Verlauf des Skandals zeitweise mehr als 70 Prozent an Wert.

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