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Ein Unwetter zum Konferenzauftakt

Ob die Verhandlungsteilnehmer aus 192 Staaten die Zeichen der Zeit erkannt haben, ist mehr als ungewiss

  • Von Eva Mahnke und Nick Reimer, Durban
  • Lesedauer: 3 Min.
Beim Klimagipfel in Durban haben die Verhandlungen mit den üblichen Appellen begonnen. Die EU-Delegation möchte für gute Stimmung sorgen.

In der Nacht vor Beginn der UN-Klimakonferenz ging ein mörderisches Unwetter über Durban nieder. »Ich kann sie beruhigen: Das Dach hat einwandfrei standgehalten«, erklärte am Morgen danach Christiana Figueres, Chefin des Sekretariats der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen. Zwar sei an einigen Stellen Wasser ins Konferenzzentrum eingetreten. »Aber die Organisatoren haben es geschafft, rechtzeitig zum Start der Klimakonferenz alles so herzurichten, dass wir pünktlich starten können.«

Das ist auch dringend notwendig, denn der Verhandlungskatalog ist lang und die Zeit knapp. »Wir geben uns keiner Illusion hin. Diese Konferenz wird nicht leicht«, erklärt Südafrikas Außenministerin Maite Nkoana-Mashabane, nicht ohne im gleichen Atemzug das große Pathos zu bemühen: »Wir, die Delegierten, müssen hier in Durban der Welt zeigen, dass wir in der Lage sind, das Klimaproblem zu lösen.«

Damit beschreibt die Präsidentin der 17. Weltklimakonferenz das Dilemma, in dem die 8000 Klimadiplomaten stecken, die ihre Verhandlungen begonnen haben. Einerseits werden die Erwartungen an die Konferenz seit Wochen niedrig gehalten. Andererseits ist den 192 Vertragsstaaten klar: Durban ist die letzte Chance. Das hängt mit dem Aktionsplan von Bali von 2007 zusammen: »Durban ist das Ende der Wegstrecke von Bali«, sagt Nkoana-Mashabane. Vor vier Jahren auf der 13. Konferenz hatten die Klimadiplomaten beschlossen, eine zweite Verpflichtungsperiode für das Kyoto-Protokoll auszuhandeln, was bekanntlich scheiterte. »Der Bali-Aktionsplan ist immer noch unsere Verhandlungsgrundlage, und hier in Durban haben wir die letzte Chance, ihn zu vollenden«, sagt die Ministerin.

Was bei seiner Gründung 1997 als klug erschien, wird dem Kyoto-Protokoll nun zum Verhängnis: Die Klimadiplomaten beschlossen nur die erste Verpflichtungsperiode von 2008 bis 2012. Denn würden die Reduktionspflichten aus der ersten Periode nicht ausreichen, um die Erderwärmung zu stoppen, sollten in der zweiten Periode ambitioniertere Ziele angesetzt werden. Und um die wird nun gestritten: Ohne einen Beschluss in Durban ist das Kyoto-Protokoll mit all seinen Mechanismen praktisch tot. »Der Schlüssel zum Erfolg der Konferenz ist die Anpassung«, sagt Konferenzpräsidentin Nkoana-Mashabane und macht damit deutlich, dass Fortschritte auf der Konferenz vor allem davon abhängen werden, ob die Industrieländer ihren Finanzierungspflichten bei der Anpassung an die Folgen des Klimawandels nachkommen.

Zu ihrer historischen Schuld für den Klimawandel haben sich die Industrieländer bereits bekannt. Nun sollen sie dafür auch zahlen. »Wir zeigen, dass wir unsere Versprechen halten«, will deshalb Arthur Runge-Metzger, Chefverhandler der EU, zum Konferenzauftakt für gute Stimmung sorgen. Europa will bis Ende des kommenden Jahres 7,2 Milliarden Euro für Anpassungsmaßnahmen in Entwicklungsländern bezahlen. Der größte Teil der Summe sind jedoch schlicht Mittel, die sowieso geflossen wären und nur nachträglich den Stempel »Klimahilfe« erhalten.

»Das war für Durban ein absolut ungewöhnliches Wetter«, bemüht UN-Klimachefin Christiana Figueres der Anschaulichkeit halber am Nachmittag noch einmal das Extremwetterbeispiel der vergangenen Nacht. »Solch absolut ungewöhnliches Wetter beobachten wir immer häufiger - überall auf der Welt. Das zeigt doch, dass wir handeln müssen, und zwar jetzt«, so die Costaricanerin.

Unterschreiben würden dies mit Sicherheit die 7000 Beobachter, die die Konferenz verfolgen - Wissenschaftler, Wirtschaftsvertreter, Entwicklungs- oder Umweltorganisationen. Ob auch die 8000 Delegierten den Warnschuss des Wetters verstanden haben, wird sich in den kommenden knapp zwei Wochen zeigen.

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